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neues deutschland: Über die Suche nach islamistischen Tätermotiven

Berlin (ots) - Die Frage, ob der Islamische Staat hinter der Tat steht oder nicht, scheint die alles entscheidende Frage zu sein nach dem Anschlag bei Würzburg. Den Islamisten selbst scheint die Urheberschaft für den Angriff des 17-jährigen Afghanen eine wichtige Botschaft zu sein. Das ist verständlich, verbreitet diese doch neben diffuser Angst den Glauben an eine Art Allmacht des IS. Jederzeit einen Schläfer anknipsen zu können, ist eine ins Konzept der Terrorbewegung sehr gut passende Botschaft.

Dass diese Botschaft hier inzwischen erkennbar verfängt, zeigt die Verstrickung der Gesellschaft in die Logik des Krieges gegen den Terror. Der daraus folgende quasi militärische Blick auf die Bedrohung ist eine für Sicherheitsbehörden angemessene Perspektive. Die Öffentlichkeit, die Bevölkerung und erst recht die Politik führt ein solcher Blickwinkel aber in die Irre. Er macht blind für die Perspektive der Gegenseite, taub gegenüber den Erfahrungen, die Menschen in zerrütteten, häufig eben muslimisch geprägten Ländern als Benachteiligung durch den Westen erleben.

Er rückt soziale Ursachen in den Hintergrund, die das Gerechtigkeitsempfinden junger Menschen aufrühren und zu ihrer Radikalisierung beitragen dürften. Und damit macht er blind für jeden Ausweg aus der Misere. Wer sich von Kombattanten umgeben sieht, wird ohnmächtig zusehen müssen, wie der Feind sich stetig neu rekrutiert, wird selbst ständig die Voraussetzungen für ihr Nachwachsen schaffen. Mehr Erfolg kann sich der IS nicht wünschen.

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