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neues deutschland: Eskalation in der Ukraine: Ratlosigkeit

Berlin (ots) - Wer die jüngsten Ereignisse in 
Kiew verfolgt, dem konnte es die Sprache verschlagen. Da brennt der Maidan, da prügeln Sondereinheiten, da werden Polizisten erschossen - und im deutschen Fernsehen läuft Karneval. Natürlich ist das nicht die entscheidende Frage, wer wann eine Sondersendung bringt. Die Frage ist, was in der Ukraine eigentlich passiert. Es dominieren Schwarz-Weiß-Sichten: Da reden die einen immer nur von einer pro-europäischen Aufwallung, ohne die soziale und innenpolitische Dimension des Aufstands gegen Janukowitsch zur Kenntnis zu nehmen. Da wollen andere nur noch die rechtsradikalen Kräfte sehen, deren Einfluss auf die Bewegung so unübersehbar ist wie die Tatsache empört, dass sie von den europäischen Institutionen als Gesprächspartner hofiert wurden. Da wird ein Konflikt um korrupte Politiker und unabgegoltene Versprechen einer vergangenen Revolte in alte Raster gepresst, die nur Pro-Moskau und Pro-Westen kennen - und darauf anspringende Reaktionsmuster. Da wird verkannt, dass es vielen vor allem um ihre Lebenschancen geht und sie in ihrem Ringen darum - ja auch das: vielleicht Irrtümer begehen. Hinter wackeligen Livestreams und kaum überprüfbaren Twitternachrichten, hinter interessegeleiteten Berichten und emotionaler Empörung droht die Bereitschaft zu verschwinden, die irritierende Widersprüchlichkeit des Kiewer Winters zur Kenntnis zu nehmen. Darf man Ratlosigkeit zugeben? Manchmal scheint es im Lichte tödlicher Konfrontation fast besser, wenn es einem erst einmal die Sprache verschlägt.

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