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Neues Deutschland: vor der Seligsprechung von Johannes Paul II.

Berlin (ots) - Der Reliquienkult, den das frühe Christentum von heidnischen Religionen übernahm, ist ein besonders bizarres Kapitel der Kirchengeschichte. Er ging einher mit dem Kult um die Heiligen. Diese waren die wichtigsten Lieferanten von Reliquien, namentlich solchen »erster Klasse«: Körperteile aller Art vom Kopf bis zum Zehennagel, vom Skelett bis zum Gehörknöchelchen. Da mit den teuren Teilen (von den Fälschungen einmal abgesehen) ein schwunghafter Handel betrieben wurde, teilte man sie häufig so oft, bis nur noch Partikel oder Pulver blieben. Da mit der Organentnahme bis zum Eintritt des Todes gewartet werden musste, versammelten sich nicht selten Scharen von Reliquienjägern mit gezückten Messern am Sterbebett des potenziellen Heiligen. Heute geht es in dieser Sache natürlich weitaus zivilisierter zu. So wurde Papst Johannes Paul II. kurz vor seinem Ableben durch medizinisches Personal eine Ampulle Blut entnommen. Diese Ampulle soll bei seiner Seligsprechung am Sonntag in einem »wertvollen Reliquienschrein« den in Rom versammelten Gläubigen zur Verehrung gezeigt werden, wie der Vatikan mitteilte. Eine Lieblingsfloskel von Wojtylas Seligsprecher Benedikt XVI. ist die angebliche Einheit von Glaube und Vernunft. Vernunft? Hoffen wir, dass nicht bei nächster Gelegenheit der Heilige Stuhl gezeigt wird.

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