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Neues Deutschland: Zum Entwurf zur Präimplantationsdiagnostik

Berlin (ots) - Kommt es zur Diskussion über Gentechnik beim Menschen, dann fällt schnell das Reizwort: Designbaby. Als Beleg für die Horrorvorstellung eines nach Maß konstruierten Menschen wird meist jener Fall in England herangezogen, wo Eltern unter mehreren Embryonen den auswählten, der einen Gen-Defekt seines älteren Bruders nicht aufwies, so dass das neue Baby Zellen zur Heilung eben dieses Bruders spenden konnte. Tatsächlich ist die Instrumentalisierung eines Menschen eine überaus fragwürdige Vorgehensweise, auch wenn jene englischen Eltern ihr jüngeres Kind genauso lieben wie den geheilten älteren Bruder. Man wünschte sich eine ähnliche Sensibilität für die Gefahr der Verdinglichung des Menschen bei der Debatte um Organspenden. Ob allerdings die Gegner einer gentechnologischen Menschenzüchtung mit ihren Horrorszenarien ihrem Anliegen einen Gefallen tun, darf bezweifelt werden. Medizin und Genetik sind meilenweit davon entfernt, einen Menschen nach Maß zu konstruieren. Denn erstens bestimmen die Gene nur einen Teil der Eigenschaften des erwachsenen Menschen und zweitens versteht die Wissenschaft auch zehn Jahre nach der ersten Entzifferung des gesamten menschlichen Genoms nur einen winzigen Bruchteil des gigantischen genetischen »Textes« in unseren Zellen. Erklärt man da das »Designerbaby« zur realen Gefahr, dann wirkt das für Befürworter eines Menschendesigns nur als willkommene Bestätigung.

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