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Westfalenpost: Dieser Papst öffnet neue Räume
Kommentar von Monika Willer zur Papstschrift zum Thema Familie und Ehe

Hagen (ots) - Wie sieht denn die Realität von Millionen von Katholiken aus, wenigstens in Westeuropa? Sie heiraten. Sie lassen sich scheiden. Sie heiraten wieder. Und dann dürfen sie nicht mehr zur Kommunion gehen. Oder sie heiraten nicht, teilen aber Tisch und Bett, und in diesem Fall leben sie ohnehin in Sünde. Die kirchliche Sexualmoral und die praktizierte Lebenswirklichkeit driften schon lange auseinander. Die einen treten deswegen verbittert aus der Kirche aus, die anderen bleiben frustriert drin, fühlen sich als Katholiken zweiter Klasse und müssen sich eine gesplittete Religiosität zusammenbasteln, in der Frömmigkeit und Welterfahrung nicht mehr konform gehen. Diese unerträgliche Situation ist in Rom bekannt. Seit drei Jahren versucht der Vatikan unter Papst Franziskus, sich auf die Menschen zuzubewegen, so wie sie eben sind und nicht, wie das Dogma sie gerne hätte.

Eine Revolution, wie manche schon jubeln, ist die neue Papstschrift trotzdem nicht. Aber sie weckt Hoffnung, Hoffnung auf mehr Barmherzigkeit, jener Tugend, die das Christentum doch erst erfunden hat und der es seine Legitimation verdankt. Franziskus macht es seinen Bischöfen und seinen Gemeinden nicht leicht. Denn er legt sich nicht fest. Er sagt nicht: Wiederverheiratete Geschiedene sind jetzt zur Kommunion zugelassen. Stattdessen öffnet er neue Räume. Die Ortskirchen können mehr Einfluss nehmen. Der Papst setzt auf "heilsame Dezentralisierung".

Das wird ungewohnt, sicher sogar schmerzhaft für viele Kleriker und auch viele Katholiken. Denn Franziskus überträgt ihnen die Verantwortung. Sie sollen nach ihrem Gewissen entscheiden. So etwas ist bekanntlich viel anstrengender, als ein Dogma zu befolgen oder gegen es zu wettern.

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