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30.12.2008 – 19:55

Westfalenpost

Westfalenpost: Ein schöner Land in dieser Zeit Auch ein Krisenjahr hat gute Chancen

    Hagen    Hagen (ots)

Von Bodo Zapp

    Noch nie ist ein Jahr so in Grund und Boden geschrieben und prognostiziert worden, bevor es eine Chance bekam, etwas gegen den schlechten Ruf zu tun. Wir sollten uns trotz aller Krisen-Dunkelmalerei nicht bange machen lassen. Das Notwendige zur vorbeugenden Bekämpfung eines wirtschaftlichen Abschwungs tun, auf Pluspunkte wie gemeinsames Handeln einer Art "Deutschland AG" bauen und der eigenen Stärke mehr vertrauen, was nicht mit nationalem Alleingang verwechselt werden sollte - dann könnte es doch noch klappen mit dem guten Jahr 2009. Zumal es oft anders kommt, als viele denken. Erst recht, wenn es die Zukunft betrifft.

    Es kam anders als gedacht Ein Blick auf den Silvester-Kommentar des letzten Jahres macht dies deutlich. Mindestlöhne werden 2008 das große Thema sein, hieß es. Auch bei der Kanzlerin standen die "tariflichen Lohnuntergrenzen" im Fokus ihrer Neujahrsansprache. Es kam bekanntlich anders, die Prioritätenliste hat sich geändert, die Menschen haben andere Sorgen. Die beim letzten Jahreswechsel ebenfalls im Blickpunkt stehende Diskussion über gesetzliche Beschränkungen für Einkommen von Konzernchefs hat sich allerdings nicht überholt. Sie ist immer noch aktuell, allerdings unter den anderen Vorzeichen der Milliardenvernichtung in Banken-Führungsetagen. Damalige Warnungen, dass Spitzenmanager ins Ausland abwandern könnten, weil sie sich hierzulande schlecht behandelt fühlen, hört man heute nicht mehr.

    Soziale Balance in Deutschland Weil sich gezeigt hat, dass die solide deutsche Wirtschaft und unser System der sozialen Balance - bei allen wünschenswerten Verbesserungen - verlässliche Werte und Erfolgsgaranten sind, um die uns die meisten Länder beneiden. Dass 2009 ein problematisches Jahr wird, für viele Unternehmen wohl auch ein Jahr des Überlebenskampfes, ist allen klar. Der beunruhigte Spar-Blick nach vorne geht durch fast alle Branchen. Gerade die in unserer Region starke Auto-Zulieferindustrie gehört zu den Leidtragenden der von den USA ausgehenden Finanz- und Vertrauenskrise. Amerikas neuer Präsident Obama ist besten Willens, den Absturz zu stoppen, doch es gibt Grenzen politischer Einflussmöglichkeiten.Wunder? Nein, kann er nicht! Wie der deutsche Weg nach der Bundestagswahl aussehen wird, meint man zwar zu wissen, nämlich weiter mit einer Kanzlerin. Sicher ist das aber noch lange nicht. Doch egal ob mit Merkel oder Steinmeier an der Spitze: Dieses Land mit seinen (immer noch) großen Volksparteien bietet Gewähr für eine Entwicklung ohne politische oder wirtschaftliche Abenteuer und Abenteurer. Aus der weltweiten Geldkrise scheinen Extremisten bei uns kein Kapital schlagen zu können, das ist eine gute Nachricht. Dies ist, bei näherer Betrachtung, trotz der Probleme ein schöner Land als viele andere. Auch das gehört zur Sicht auf das, was kommt und unter schlechten Umständen droht.

    Nicht ins Bodenlose Der Verlust des Arbeitsplatzes ist bitter, doch in Deutschland fallen die Menschen nicht ins Bodenlose. Das soziale Sicherungssystem bewährt sich in der persönlichen Notlage. Das Land ist weit entfernt von einem Erbarmungs-Zustand, wie man ihn von Fernsehbildern aus fremenden Ländern kennt. Manche Problempropheten übertreiben mit Blick auf einzelne Missstände nur zu gerne. Züge, Busse und Bahnen fahren fast überall und überwiegend regelmäßig, wir müssen uns auf der Straße nicht fürchten, Naturkatastrophen sind anderswo, kein Nachbar droht mit Krieg: Es ist gut, hier zu leben. Das gilt erst recht für unsere Heimat Südwestfalen. Stärkste Industrieregion Nordrhein-Westfalens, schöne Landschaft, Menschen mit Gemeinschaftssinn: Wir haben allen Grund, nicht sorgenfrei, aber optimistisch in das neue Jahr zu schauen. Mögen die Wünsche in Erfüllung gehen!

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