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Neue OZ: Kommentar zu U-Bahn-Schlägern in Berlin

Osnabrück (ots) - Fatales Signal

Das Recht ist nicht eine Frage des Bauches, sondern der Buchstaben des Gesetzes. Es ist aber auch eine Auslegungssache. Und deshalb kann die Entscheidung, die brutalen Schläger von Berlin noch am Wochenende ihrer Tat wieder auf freien Fuß zu setzen, nur fassungs- und verständnisloses Kopfschütteln auslösen.

Für den 18-jährigen Haupttäter spricht zwar seine bisherige Unbescholtenheit, sein Geständnis und vielleicht auch die Tatsache, dass er noch bei den Eltern wohnt. Doch die von der Polizei zu Fahndungszwecken veröffentlichte Videosequenz belegt nur allzu deutlich, wie grausam er sein am Boden liegendes Opfer mit voller Wucht auf und gegen den Kopf trat. Ohne jeden Grund nahm der U-Bahn-Schläger schwerste Verletzungen und womöglich auch den Tod des Opfers in Kauf - wer weiß, wie die Situation noch eskaliert wäre, hätte nicht ein engagierter Zeuge eingegriffen.

Wenn die Polizei ein solches Video veröffentlicht und die Staatsanwaltschaft die Schläger wenig später bis zum Prozess von der Haft verschont, geht davon ein fatales Signal an mögliche Nachahmungstäter aus: Seht her, das alles kann man mit unschuldigen Passanten machen - und kommt doch erst mal schnell wieder frei.

Da kann man nur hoffen, dass der Prozess möglichst bald über die Bühne geht und das Gericht ein klares Urteil findet. Milde ist vollkommen unangebracht bei solch exzessiver und menschenverachtender Gewalt.

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