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Neue OZ: Kommentar zu Euro

Osnabrück (ots) - Wer's glaubt

Aufstieg und Fall eines Politikers wie Karl-Theodor zu Guttenberg haben viel mit der Sehnsucht des Volkes nach glaubwürdigen Vertretern zu tun. Beim Thema Euro steht Kanzlerin Angela Merkel inzwischen vor einem massiven Glaubwürdigkeitsproblem: Kaum noch jemand nimmt ihr das Versprechen ab, bei der Hilfe für Euro-Schuldensünder wie Griechenland gehe es nur um Bürgschaften des deutschen Steuerzahlers, die nie in Anspruch genommen werden müssten.

Gegen den Willen ihres Koalitionspartners FDP hat Merkel nun in Brüssel noch einer Ausweitung dieser Hilfe zugestimmt. Und das, nachdem EU-Sachverständige vorausgesagt haben, dass Griechenland seine Schulden voraussichtlich niemals werde begleichen können. Daher fordern sie von Athen die Rückkehr zur Drachme. Die Diskrepanz zwischen solchen Einsichten und dem Regierungshandeln nimmt das Volk sehr wohl wahr.

Hinzu kommt die wachsende Furcht vor Inflation. Auch die Europäische Zentralbank (EZB), die sich an der Stützung hoch verschuldeter Eurostaaten durch Aufkauf von deren Anleihen beteiligt und dadurch die Gelddruckmaschine angeworfen hat, befindet sich längst in einer Glaubwürdigkeitsfalle. Das hat den Plan der Kanzlerin durchkreuzt, an der EZB-Spitze den bisherigen Bundesbankchef zu installieren. So wichtig es wäre, Vertrauen für den Euro zurückzugewinnen: Die Politik in Berlin, Brüssel und Frankfurt taugt dazu bisher nicht.

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