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Neue OZ: Kommentar zu Tarife
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Streik

Osnabrück (ots) - Unsolidarisch

Gewerkschafter sprechen gerne von Solidarität. Die Lokführer demonstrieren davon gerade das Gegenteil. Einerseits gegenüber ihren Kollegen: Offenkundig halten sie sich für etwas Besseres und beharren auf Einzelinteressen ihrer kleinen Sparte. Nach dem Motto: "Wie? Jemand muss die Züge warten? Was? In der Verwaltung arbeitet auch jemand?" Das scheint den Lokführern mit einem Dünkel, den sonst in Tarifdingen nur Piloten haben, egal zu sein. Obendrein fehlt es ihnen an Loyalität. Dass Streiks dem Arbeitgeber schaden, ist Sinn der Sache. Es gibt aber Beispiele wie Alitalia, die von Einzelgewerkschaften förmlich ausgenommen wurde. Endstation: Pleite. Im konkreten Fall ist Geld nicht mal das Hauptproblem. Denn die Lokführer belegen, weshalb die Bahn so große Image-Nöte hat. Deren Ruf leidet nämlich nicht nur unter hakender Technik bei Hitze und Kälte, versifften Toiletten, Verspätungen oder Einsparungen. Er folgt auch und gerade aus der geringen Kundenfreundlichkeit. Mit ihrer Streikfreude zeigen die Lokführer, wo die Wurzel liegt: Zuerst kommen sie, dann der Fahrgast.

Möglich, dass sie so einige Prozentpunkte hinter dem Komma gewinnen. An Akzeptanz aber verlieren sie. Wenn sie ihren Streik als Erfolg feiern, just während Fahrgäste genervt auf Züge und Unternehmen auf Waren warten, wird kaum jemand gratulieren. Im Gegenteil, die Lokführer liefern jeden Grund, gesetzliche Fixierungen der Tarifeinheit so scharf wie möglich ausfallen zu lassen.

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