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Neue OZ: Kommentar zu Estland
Wahlen

Osnabrück (ots) - Lehrstück für Dublin und Athen

Da sage noch einer, es gebe innerhalb der EU keine Erfolgsmodelle. Estlands Regierungschef Andrus Ansip demonstriert Ländern wie Irland und Griechenland mit einer verblüffenden Souveränität, wie ein von der Weltfinanzkrise hart getroffenes Land schnell zu Stabilität und Wirtschaftswachstum zurückfinden kann: mit einem rigiden Sparkurs und einer Identität als traditionsbewusste Hightech-Nation.

Das klingt nach Lederhose und Laptop, in diesem Fall Estnisch und E-Voting. Obwohl die russische Minderheit mit 25 Prozent sehr hoch ist, stellt sich 20 Jahre nach der Unabhängigkeit der Erfolg in der Integrationspolitik ein: Junge Russen lernen Estnisch in Kindergärten und Schulen, die ältere Generation hatte dagegen große Vorbehalte.

Die 1,3 Millionen Esten sind zudem so gut vernetzt und informiert wie kaum ein anderes Volk in Europa - mit Internet, Handy und Fernsehen. Und: Nirgendwo wird pro Kopf mehr Zeitung gelesen. Ein Siebtel der Stimmberechtigten setzte bei den Wahlen ihr Kreuzchen via Internet.

Der Wirtschaftsliberale Ansip konnte seine Landsleute nicht nur von der Notwendigkeit gekürzter Renten und Beamtengehälter, sondern auch vom Euro überzeugen, der 2011 eingeführt wurde. Angesichts eines aktuellen Haushaltsdefizits von lediglich 1,7 Prozent stand seiner Wiederwahl nichts mehr entgegen. Ein Lehrstück für Dublin und Athen. So viel Disziplin wünscht man sich auch von den EU-Schuldenmeistern.

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