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Neue OZ: Kommentar zu Film
Berlinale

Osnabrück (ots) - Tempo drosseln: 3-D!

Wim Wenders lässt die Bausch-Compagnie tanzen, Michel Ocelot animiert Märchen in Silhouetten-Optik, Werner Herzog dokumentiert die Reliefstruktur der Höhenmalerei, alles in 3-D! Der Berlinale-Sonntag wurde zur Leistungsschau der dritten Dimension.

Der französische Trickfilm steht für eine 3-D-Optik um ihrer selbst willen: Ocelot knüpft an das animierte Scherenschnitt-Kino der Stummfilm-Zeit an. Und schnell merkt man: Auch auf mehrere Raumebenen verteilt, werden flache Figuren nicht plastisch. Der Effekt ist hier kaum mehr als ein sinnloses Marketing-Argument. Ganz anders verhält es sich bei Wenders, der seine Tänzer mitten in die Wuppertaler Stadtkulisse stellt, und das Publikum dabei in langen Sequenzen den Raum erkunden lässt.

Viel mehr als alle bisherigen Animationsabenteuer zeigt Wenders' Film damit, wie man in der neuen Technik erzählen muss. Für eine wirkliche Raumwirkung reicht es nicht, ab und an eine Klinge in Richtung Kamera zu schleudern. Das neue Kino braucht den Mut zur Inszenierung in der Tiefe, und damit auch den Mut zur Langsamkeit. Die immer schneller geschnittenen Großproduktionen, die bislang am stärksten auf 3-D setzen, werden das vermutlich nie leisten können.

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