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Neue OZ: Kommentar zu Soziales
Kinder
Missbrauch

Osnabrück (ots) - Gute Chancen - unter Vorbehalt

Wenn ein Kind stirbt, weil die Eltern immer wieder zugeschlagen haben, weil sie es geschüttelt oder ihm das Essen verweigert haben, stellt sich auch die Frage: Warum hat ihm niemand geholfen? Kristina Schröder will jetzt mit ihrem neuen Gesetz vor allem das Helfen erleichtern. Die Maßnahmen führen zu mehr Kontrolle über eigentlich private Bereiche - anders geht es aber nicht. Wenn ein Arzt unsicher ist, ob er dem Jugendamt deutliche Missbrauchsspuren melden darf, hilft das niemandem weiter. Wenn ein Jugendamt keine Ahnung hat, dass eine Familie schon anderswo einschlägig bekannt ist, wird seine Arbeit unnötig erschwert.

Dass die Ministerin die Hebammen an zentraler Stelle sieht, verwundert nicht: Sie haben direkten Einblick in die Familiensituation, genießen meist das Vertrauen der Mütter und können so als eine Art Frühwarnsystem fungieren. In vielen Regionen, auch in unserer, werden Familienhebammen längst auf kommunaler Ebene eingesetzt.

Dass ihre Rolle nun vom Bund gesetzlich verankert und finanziell unterstützt werden soll, ist zu begrüßen - allerdings unter Vorbehalt. Denn es ginge zu weit, künftig alle Verantwortung bei den schlecht bezahlten Hebammen abzuladen. Zum Beispiel, indem sie wesentlich teurere Betreuungsangebote wie den Aufenthalt in einem Mutter-Kind-Haus ersetzen müssten. Sofern dies aber nicht passiert, bietet das Gesetz gute Chancen, gefährdete Kinder besser aufzufangen.

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