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Neue OZ: Kommentar zu EU
Klebefleisch

Osnabrück (ots) - Klebefleisch nicht vom Tisch

Mit der jüngsten Entscheidung des EU-Parlaments sind weder der Schinken aus Klebefleisch noch andere Kunstprodukte vom Tisch. Denn mit ihrem knappen Nein haben die EU-Brüsseler Abgeordneten nur verhindert, dass der Zusatzstoff Thrombin, der Fleischfetzen zu einem "appetitlichen" Schinken verschmelzen lässt, für die Lebensmittelproduktion zugelassen wird.

In den Regalen der Supermärkte finden sich aber nach wie vor zahlreiche andere Produkte, die man auch ohne Thrombinzusatz als Klebefleisch bezeichnen könnte. Denn die Lebensmittelindustrie nutzt längst auch andere Enzyme wie zum Beispiel Transglutaminase als Haftmasse. Auch noch ganz andere Kunstprodukte verleiben wir uns - oft ohne es zu wissen - tagtäglich ein: Analogkäse zum Beispiel, ein Käseimitat, oder Gelschinken, der bis zu 60 Prozent aus Wasser besteht.

Entscheidend ist, dass die Hersteller meist Namen verwenden, die uns über die eigentlichen Bestandteile des Produkts hinwegtäuschen. Und das ist schlicht und ergreifend Betrug. Warum nicht zum Beispiel von Käseimitat aus Pflanzenfetten sprechen oder von Formfleisch nach Schinkenart? Der aufgeklärte Verbraucher kann dann bewusst entscheiden, ob er dem preiswerten Imitat oder dem teuren Original den Vorzug gibt. Nach den Lebensmittelskandalen der vergangenen Jahre täte die Lebensmittelindustrie gut daran, bei der Kennzeichnung endlich Klarheit zur schaffen. Denn ein schlechter Ruf haftet lange - auch ohne Enzyme.

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