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Neue OZ: Kommentar zu Prozesse
Geschichte
NS-Kriegsverbrecher
Urteil

    Osnabrück (ots) - Gut für die Kinder

    Wahrscheinlich muss der NS-Verbrecher Heinrich Boere nicht mehr ins Gefängnis. Der 88-Jährige wird wohl bis zu seinem Lebensende im Pflegeheim bleiben können. Die Revision und sein angeschlagener Gesundheitszustand sprechen gegen einen Haftantritt.

    Dennoch hat sich der Mordprozess vor dem Aachener Landgericht gelohnt. Auch weil die mittlerweile mehr als 70 Jahre alten Kinder der Opfer gestern einhellig positiv reagierten. Das zeigt: Die Verurteilung des früheren SS-Mannes ist ein gutes Signal für die Nachfahren der Getöteten. Das zählt mehr als die Strafe.

    Denn mehr als sechs Jahrzehnte nach den feigen Erschießungen ihrer Väter in den Niederlanden erleben die Söhne der Ermordeten, dass doch noch Gerechtigkeit geschieht - eine Genugtuung, wenngleich eine späte. Die drei Morde verjähren nicht, und schließlich siegt damit am Ende doch noch der Rechtsstaat. Im Unterschied zu vielen anderen NS-Verbrechern bleibt Boere zumindest jetzt nicht mehr unbehelligt.

    Dennoch ist es höchst ärgerlich, dass sich das einstige Mitglied des berüchtigten SS-Sonderkommandos so lange der deutschen Justiz entziehen konnte. Die Juristen, die sich in der Vergangenheit mit Boeres Verbrechen beschäftigten, haben sich wahrlich nicht mit Ruhm bekleckert.

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