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WAZ: Der Klimareport: Positiv denken - Leitartikel von Jürgen Polzin

    Essen (ots) - Es kostet nicht die Welt. Eine gute Nachricht, die da aus Bangkok kam. Wir wollen sie im doppelten Sinn verstehen: Klimaschutz ist bezahlbar, die schlimmsten Folgen der globalen Erwärmung können wir zumindest abschwächen. Theorie, gewiss. Aber warum nicht positiv denken?

      Selbst die Autoren der UN-Klimaberichte hat es überrascht, wie
schnell das Nischenthema CO2 plötzlich zum Dauerbrenner wurde. Seit
Februar, als der erste Teil der Studien veröffentlicht wurde, ereilt
uns die Klimakatastrophe in unappetitlichen Häppchen: Flut, Hitze,
Dürren, Krankheiten. Panikmache, schreien die einen. Kann ich
überhaupt noch guten Gewissens grillen?, fragen sich andere.
Politiker, Hinterbänkler wie Minister, machten fleißig mit, als
täglich die Klimasau neu durchs Dorf getrieben wurde. Tempo 130,
Schwarzwald statt Seychellen, Tod der Glühbirne.

      Am Montag soll es regnen. Das ist die zweite gute Nachricht. Die
spannende Frage ist, ob mit dem Wasser auch das Thema Klimawandel
wieder versickert. Vieles spricht dafür, dass dem nicht so ist. Denn
glaubt man den Wissenschaftlern, werden sich die Folgen der
Klimaveränderungen in den kommenden Jahren stärker als jemals zuvor
bemerkbar machen - ohne dass wir eine Chance haben, etwas dagegen zu
tun. Der Klimawandel wird spürbar, messbar sein. Er kostet uns Geld
und wir werden Wetterextreme am eigenen Leib erfahren. Letzteres wird
die Garantie dafür sein, in den Schlagzeilen zu bleiben.

      Die Zeit scheint reif für einen Verhaltenswandel. Es ist ruhig
geworden um die Skeptiker, die daran zweifeln, dass es der Mensch
ist, der an den Stellschrauben des Klimas dreht. Viele Jahre war
globale Erwärmung ein Thema, das in den Wissenschafts-Zirkeln oder
Polit-Runden, in Kamingesprächen der Lobbyisten oder
Podiumsdiskussionen der Umweltverbände versumpfte. Am Bürger ging das
vorbei. Denn gemessen am globalen Problem erschien ihm sein Beitrag
vollkommen irrelevant. Klima, das ist abstrakt. Weil der Mensch
besser aus Erfahrungen lernt als aus Berichten, dauerte es beim
Klimathema besonders lange, ehe er kapierte. Ein Kind, das eine heiße
Herdplatte anfasst, lernt sofort.

      Warum also nicht positiv denken? Wenn Nichtstun ein Vielfaches
kostet, dann gibt es jetzt eine Menge Geld zu verdienen. In China
etwa, das pro Jahr Kohlekraftwerke zubaut, die drei Viertel der
überhaupt in Deutschland installierten Leistung entsprechen. Wir
haben saubere Technik. Und sie kostet uns nicht die Welt.

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