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WAZ: Machtkampf in der CSU: Was die Menschen abstößt - Kommentar von Angela Gareis

Essen (ots)

Wenn bayerische Kinder sich im Fasching als Edmund
Stoiber kostümieren, dann hat dessen ärgster Widersacher sein Werk 
vollendet: das politische Ansehen des CSU-Vorsitzenden und 
Ministerpräsidenten zu minimieren.
Der Widersacher heißt Edmund Stoiber. Selten musste die Republik 
beobachten, wie ein Politiker sich bei einer beachtlichen Fallhöhe 
derart verbissen selbst demontiert. Der 65-Jährige wird allmählich 
zum Inbegriff all dessen, was immer mehr Menschen von der Politik 
abstößt: Machtversessenheit, Realitätsverlust, 
Verantwortungslosigkeit.
Das ist ein wenig ungerecht, denn auch die Spitze der CSU trägt 
viel zu Stoibers neuem Image bei. Gestandene Politiker heucheln und 
intrigieren zugleich, beteuern, dass sie Stoiber stützen, und suchen 
nach einer für sie möglichst ungefährlichen Möglichkeit, Stoiber zu 
stürzen. In diesem nicht nur für Außenstehende recht 
unübersichtlichen Machtkampf wird auch auf Bückware im Sortiment der 
politischen Tricks zugegriffen: Horst Seehofer soll eine Freundin in 
Berlin haben.
Das Gerücht wurde schon in der vergangenen Woche in Kreuth 
gestreut, hat es jetzt in die "Bild"-Zeitung geschafft und könnte 
Seehofer so schaden, wie ein ähnliches Gerücht seinerzeit Theo Waigel
geschadet hat, als er mit Stoiber um das Amt des Ministerpräsidenten 
konkurrierte. Das Gerücht schadet aber auch der CSU, denn mit 
Seehofer als Vorsitzendem und Günther Beckstein als Ministerpräsident
hätte die Partei eine vergleichsweise gute Chance, aus der Krise 
herauszufinden.
Nun erinnert man sich wieder etwas genauer an die Affäre um die 
Bespitzelung von Gabriele Pauli und überlegt, mit welchen Mitteln da 
gekämpft wird und für was. Für die Zukunft der Menschen im Freistaat?
Oder für die Zukunft Stoibers? Dass Pauli in nahezu unangreifbarer 
Ehrlichkeit und Gelassenheit durch die Wirren aus Lügen und Rufmord 
schreitet, dunkelt die Schatten über der CSU weiter ein.
In den Umfragen hat die CSU die absolute Mehrheit verloren, und 
eine Zweidrittelmehrheit spricht sich gegen Stoiber aus, weshalb die 
Sache längst für die CDU interessant geworden ist. "Die Union ist nur
stark, wenn CDU und CSU stark sind", hat Angela Merkel gesagt und 
dabei womöglich an die überlebenswichtigen Prozente der CSU bei der 
nächsten Bundestagswahl gedacht. Die SPD muss sich jedenfalls auf 
erhöhte Nervosität bei der Union einstellen, was das 
Koalitionsgeschäft nicht erleichtert.

Pressekontakt:

Rückfragen bitte an:
Westdeutsche Allgemeine Zeitung
Thomas Kloß
Telefon: (0201) 804-8975
zentralredaktion@waz.de

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