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WAZ: VW baut Gel├Ąndewagen nicht im Ausland: Modell mit vielen Macken - Leitartikel von Wilfried Beiersdorf

    Essen (ots) - Wird ┬äMarrakesch┬ö zum Symbol f├╝r die Zukunft von Wolfsburg? Folgt man den zum Teil euphorischen Kommentaren aus Politik und Autoindustrie, dann war der Dienstag ein gro├čer Tag f├╝r die Zukunft des Wirtschaftsstandortes Deutschland. Es habe sich gezeigt, dass industrielle Produktion hier zu Lande langfristig m├Âglich sei. Festgemacht werden diese gro├čen Worte an einem kleinen VW- Gel├Ąndewagen. Das Gef├Ąhrt, das vielleicht ┬äMarrakesch┬ö hei├čen wird, soll nun ┬ľ entgegen der Drohung der VW-Spitze ┬ľ doch nicht in Portugal, sondern am VW-Stammsitz gebaut werden.

    Das sichere 1000 Arbeitspl├Ątze, jubelt die Gewerkschaft. Und der Autokonzern versichert, dass er den Wagen nun auch in Deutschland zu international wettbewerbsf├Ąhigen Kosten bauen k├Ânne. Nach einem harten Verhandlungspoker gibt es also nur Gewinner? Das ist verd├Ąchtig.

    Bei genauerem Hinsehen wird denn auch deutlich: Die Gewerkschaften haben Federn gelassen, haben niedrigerer Entlohnung bei l├Ąngerer Arbeitszeit zugestimmt. Aber was sollten sie auch tun. Sich stur stellen und die Arbeitspl├Ątze ziehen lassen? Wenn jetzt 1000 junge Leute f├╝r einige Jahre durch die Gel├Ąndewagen-Produktion einen sicheren Arbeitsplatz bekommen, ist das eine gute Sache ┬ľ aber nur eine Seite der Medaille.

    Andererseits ist n├Ąmlich zu bef├╝rchten, dass VW nach diesem Ergebnis auch k├╝nftig in einer Art Salami-Taktik bei jedem neu-en Modell die Arbeitnehmer vor die gleiche Entscheidung stellt: Zugest├Ąndnisse beim Einkommen oder Verlagerung ins Ausland.

    Ein Ausweg aus diesem Dilemma ist ┬ľ wenn ├╝berhaupt ┬ľ wohl nur schwer zu finden. Denn die Zukunftsf├Ąhigkeit des Standortes Deutschland l├Ąsst sich nicht nur an m├Âglichst geringen Produktionskosten festmachen. Die Produkte m├╝ssen auch verkauft werden ┬ľ und das nicht nur im Ausland. Gerade in Deutschland, wo die Binnennachfrage extrem lahmt, sind weiter sinkende Einkommen auch eine Wachstumsbremse. Deshalb ist es eine kurzfristige und eingeengte Sichtweise, wenn sich Politiker w├╝nschen, dass der Kompromiss bei VW jetzt in Deutschland Schule machen m├Âge.

    Wer hofft, unsere Probleme mit der Globalisierung durch solche Ma├čnahmen in den Griff zu bekommen, ist auf dem Holzweg. Das Beispiel Massenautos zeigt, dass Deutschland da ├╝ber kurz oder lang nicht mehr mithalten kann. Neue Produkte her, die es nur ┬äMade in Germany┬ö gibt.

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