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WAZ: Kein Showdown im Visa-Untersuchungsausschuss: Der Zeuge Fischer - Leitartikel von Alfons Pieper

Essen (ots)

Joschka Fischer trat gestern als Zeuge vor dem Visa-
Untersuchungsausschuss auf. Das war ein Ereignis, zumal es im
Fernsehen übertragen wurde. Untersuchungsausschüsse sind auch stets
Kampfinstrumente, derer sich die Opposition bedient. Das war gestern
nicht anders. Die Opposition reklamiert für sich die Aufgabe,
politische Missstände der Regierung aufzuklären. Ja doch. Aber neben
diesem hehren Ziel wollen sie natürlich Joschka Fischer an den
Kragen, danach Otto Schily und am liebsten am Ende den Kanzler in
Verlegenheit bringen. Wahlen stehen vor der Tür. Joschka Fischers
Auftritt war souverän, solange er vortragen konnte. Hin und wieder
schimmerte die bei ihm gewohnte Arroganz durch. Aber er geriet auch
ins Stocken, als es um Einzelheiten ging. Das konnte bei einer derart
komplexen Materie gar nicht anders sein. Und dass der Zeuge Fischer
das zuweilen schwindende Erinnerungsvermögen bemühte, überraschte
nicht. Das tun Zeugen gern, aus welchen Motiven auch immer. Der
Außenminister übernahm die Verantwortung für die Missstände in Kiew.
Anderes blieb ihm bei der Sachlage nicht übrig. Aber was heißt
Verantwortung übernehmen? Aus Sicht der Opposition müsste Fischer
gehen. Die Regierungsseite gab sich mit dem Eingeständnis der Fehler
seitens des Ministers und mit der Feststellung zufrieden, die
Missstände seien abgestellt. Schlamperei, grüne Träumerei, Polemik
oder doch weltoffene Politik – der Fernsehzuschauer hatte die
Auswahl. Ob er jetzt schlauer ist? Den in Umfragen abgestürzten
einstigen Star der Regierung im Zeugenstand in der Klemme zu erleben
und nicht auf dem hohen Ross sitzend, das hatte was. Aber mit der
Zeit wurde es auch langatmig. Denn es war auch die Fortsetzung des
Wahlkampfs mit anderen Mitteln, Schwarz-Gelb gegen Fischer und damit
gegen Rot-Grün. Es war keine Show und auch kein Showdown für den
Außenminister.

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