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WAZ: Wegen Terrors geschlossen - Kommentar von Knut Pries zur Lage in Brüssel

Essen (ots) - Das Vokabular der Nachrichten steht in merkwürdigem Kontrast zur Stimmung in der Stadt: "Höchste Alarmstufe", "bedrohlich wie in Paris", "mehrere Verdächtige, Gefahr an mehreren Stellen". Die besorgten Freunde, die von auswärts anrufen, erkundigen sich nach der "Belagerung". Denn was man da hört, klingt doch alles nach Krieg, nach Explosion und Pulverdampf, nach Bürgern auf der Flucht.

Doch die Wirklichkeit dieses Brüsseler Ausnahmezustands ist banaler. Die Belgier sind weniger verschreckt als genervt. Da erscheinen Terror und Terrorgefahr nicht als existenzielle Bedrohung, sondern mehr wie eine Betriebsstörung. Das kostet, Geld, Nerven, Freizeitvergnügen - sehr ärgerlich!

Die Belgier, ohnehin wurstiger als die französischen Nachbarn, fühlen sich verunsichert, aber in ihrer Lebensart durch die islamistischen Krieger bislang nicht wirklich herausgefordert.

Natürlich gibt es auch hier die Solidarität mit Frankreich, das Bekenntnis zum gemeinsamen Widerstand. Aber so weit, sich als Gemeinwesen bedroht zu fühlen, geht die Sorge nicht. Das begrenzt die Reichweite des terroristischen Geschäftsmodells. "Verbreitung von Angst und Schrecken" ist hier nicht so einfach.

Das ist aber nur solange ein Vorteil, wie die Staatsorgane die Bedrohung im Griff haben. Ob die Ausrufung des Großalarms dafür als gutes Zeichen gewertet werden kann, ist leider nach den jüngsten Pannen zweifelhaft.

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