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WAZ: Der Polizeiwagen vor der Synagoge. Kommentar von Walter Bau

Essen (ots) - Manchmal braucht es den Blick von außen, um die Sinne zu schärfen. Als vor einiger Zeit eine junge Jüdin aus den USA zu Besuch war, fielen ihr gleich am ersten Tag zwei Dinge auf, über die wir hier allzu schnell hinwegsehen: die Hakenkreuz-Schmiererei auf der Wand hinterm Bahnhof - und der Polizeiwagen vor dem Jüdischen Gemeindezentrum. Ihre staunende Frage: "Ist das normal hier?" Gute Frage. Haben wir uns womöglich zu sehr daran gewöhnt, dass vor den Synagogen im Land Polizisten Wache stehen? Blättern wir abgestumpft weiter bei Berichten über geschändete jüdische Friedhöfe? Zucken wir mit den Achseln bei der verblassten antisemitischen Parole an der Hauswand? Man muss sich solche Fragen stellen an einem Tag, an dem der Innenminister die Polizei anweist, angesichts sich häufender Zwischenfälle den Schutz jüdischer Einrichtungen zu verstärken. Routine kann beschämend sein - und gefährlich. Die antisemitischen Hetzer, aus welcher ideologischen Ecke sie auch kommen, treten wieder ungenierter auf. Für sie ist der Krieg in Gaza nur ein Vorwand. Wenn israelische Fußballer in Dortmund mit "Juden raus"-Rufen von den Rängen beschimpft werden, muss das ein Weckruf sein. Antisemitismus darf keinen Millimeter Platz haben. Schon gar nicht in Deutschland.

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