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WAZ: Wenn das Internet zum Pranger wird. Kommentar von Matthias Korfmann

Essen (ots) - Es bringt ja nichts, das Internet als üble Erfindung zu verteufeln. Das Netz ist nicht gut und nicht böse, sondern bloß ein nützliches Werkzeug. Für die Wissensdurstigen und die Kreativen, aber leider auch für jene, denen es gefällt, andere an den Pranger zu stellen. Davon scheint es unerhört viele zu geben. Das Internet zeigt es uns ungefiltert: Der Drang, anonym zu mobben und zu lügen, dass sich die Balken biegen, scheint riesig zu sein. Schon Schüler üben sich darin. Wir können sie alle aus der Deckung heraus in die Pfanne hauen: den Arzt, der angeblich keine Ahnung hat von Medizin; den Professor mit den langweiligen Vorlesungen, die olle Nachbarin, den verhassten Ex-Partner oder den erfolgreichen Kollegen im Büro nebenan. Am Ende der langen Reihe möglicher Gehässigkeiten und Belästigungen stehen Selbstjustiz und Lynchaufruf. Was hilft dagegen? Polizei und Anwälte tun sich schwer damit, die Täter zu finden und einmal Verbreitetes wieder aus der Welt zu schaffen. Geschädigte sollten natürlich dennoch alles versuchen, um zu ihrem Recht zu kommen. Wir, die Internet-Nutzer, könnten aber viel dazu beitragen, damit sich Online-Hetze nicht weiter verbreitet. Indem wir nicht gleich alles, was uns aufregend und erschreckend vorkommt, sofort teilen und weitergeben. Wir könnten uns dadurch sogar strafbar machen. Denken wir einen Moment darüber nach, wie vertrauenswürdig der Absender ist. Ob wir ihn überhaupt kennen. Und wie das wäre, wenn einer so etwas über uns schreiben würde.

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