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WAZ: Die Einsamkeit der Opfer - Kommentar von Christopher Onkelbach

Essen (ots) - Wir werden Mirco wiedersehen!" Die gläubige Zuversicht der Eltern des ermordeten Jungen berührt und erschüttert. Sie sehen ihr Kind in Gottes Hand und machen sich sogar Gedanken um den Mann, der ihnen ihr Kind nahm. So viel tätiges Mitgefühl ist selten. Denn es ist ja wahr, was den Schauspieler Til Schweiger vor Publikum in Rage brachte: Wir kümmern uns um die Täter, die Opfer werden allein gelassen. Da sind die oft demütigenden Aussagen vor Gericht durchzustehen, die jahrelangen Prozesse. Der langwierige Kampf um Anerkennung und Entschädigungen zehrt an den Kräften. Während die Täter Anspruch auf eine Therapie haben, müssen Opfer häufig um jeden Euro kämpfen. Täter können begnadigt werden, Opfer "haben" lebenslang. Sie vermissen, was Mircos Eltern zeigen: Mitgefühl. Viele, ohnehin seelisch verletzt, geben auf, ziehen sich zurück, werden krank und arbeitsunfähig. Beratungsstellen können mit solchen Fällen Bände füllen. Hier lässt sich vieles verbessern, von den Ermittlungen bis zur Opferbetreuung. Dennoch: Es besteht die Möglichkeit, dass ein Täter sich wieder in die Gesellschaft eingliedern kann. Auch dafür lohnt jede Mühe. Zum Schutze aller. Mircos Mörder machte zwei Familien zu Opfern. Auch seine eigenen Angehörigen, die ihn bis jetzt als sorgenden Vater und Partner erlebten, leiden. Wer kümmert sich um sie?

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