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WAZ: Die Bahn muss sich erklären - Kommentar von Dietmar Seher

Essen (ots) - Wer mit der Bahn verreist, kommt zu 99,9 Prozent sicher an. Die Feststellung muss erlaubt sein, auch wenn sie nicht das Leid der Angehörigen der Toten von Oschersleben mildert. Autofahrer haben ein 63 Mal höheres Risiko getötet zu werden als Fahrgäste in einem Zug. Dieses Sicherheitsniveau muss bleiben. Gerade deshalb wird die Bahn, die das Schienennetz betreibt, nach der Katastrophe in Sachsen-Anhalt erklären müssen, wieso die Züge ungebremst und ungewarnt aufeinander zurasen konnten. Systeme, die genau dieses grauenhafte Albtraum-Szenario ausschließen sollen, sind Stand der Technik. Sie verhindern menschliches Versagen. Fehlen sie irgendwo, gibt es auch dafür Verantwortliche. Es ist leicht, so kurz nach der Tragödie alles auf Sparorgien in der Vergangenheit zu schieben. Aber es fällt auf, dass Rechnungshof und Eisenbahnbundesamt seit Jahren warnen, mangelnde Investitionen ins Netz beeinflussten die Sicherheit. Selbst Großbritannien steckt noch 136 Euro pro Bürger und Jahr in seine Schienenwege. In Deutschland sind es magere 47 Euro. Vielleicht muss der Bundestag in einem Untersuchungsausschuss klären, ob und welche Weichen in der Vergangenheit falsch gestellt wurden. Es geht schließlich um ein Verkehrsmittel, das viel Zukunft hat.

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