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WAZ: Obamas Sputnik-Moment. Leitartikel von Gudrun Büscher

Essen (ots) - US-Präsident Obama ist ein begnadeter Redner, der die Gunst der Stunde zu nutzen versteht. Die Rede zur Lage der Nation war eine solche Stunde. Und wer genau hinhörte, weiß auch, was sie geschlagen hat. Dies, so sagte Obama, ist der "Sputnik-Moment unserer Generation".

Nun werden vor allem die jüngeren Zeitgenossen nicht mehr zwangsläufig wissen, auf was der Präsident anspielte. 1957 schickte die Sowjetunion den allerersten Satelliten ins All - "Sputnik 1". Er steht heute für den Beginn der Raumfahrt und für ein geschocktes Amerika. Aus dem Selbstverständnis heraus, die bessere, stärkere, klügere und fortschrittlichere Großmacht zu sein, empfanden die Amerikaner "Sputnik" als Schmach. Ebenso wie die sofort forcierten und erbärmlich gescheiterten Versuche, selbst Satelliten ins All zu schicken. Doch aus dieser Niederlage erwuchs etwas Großes. Die Nation besann sich auf ihre Stärken. Alle packten an, Geld spielte keine Rolle, und am 21. Juli 1969 betrat der Amerikaner Neil Armstrong als erster Mensch den Mond.

Wenn Obama also vom "Sputnik-Moment unserer Generation" spricht und seine Rede unter das Motto "Die Zukunft gewinnen" stellt, gibt er die Gegenwart verloren. Und nicht nur das. Er wirft die Frage auf: Wo macht der Präsident den Feind aus?

"Wir müssen Amerika zum besten Ort der Welt machen, um die Wirtschaft voranzubringen. Wir müssen Verantwortung für unsere Schulden übernehmen und unsere Regierung reformieren", sagte Obama. Und er beschwor den "State of Union", den Staat der Einheit. Und genau hier liegt die Antwort. Die USA laufen Gefahr, sich selbst zu besiegen. China, Russland, Europa - das sind keine Feinde, es sind Konkurrenten im Wettlauf um Macht und Märkte. Die Grabenkämpfe toben im Inneren. Amerika blockiert sich selbst. "Wir kommen zusammen voran oder gar nicht", erklärte der Präsident. Und genauso ist es. Obama braucht die Republikaner, ohne die er nichts mehr gestalten kann. Dabei geht es nicht, wie Kritiker behaupten, nur um eine mögliche zweite Amtszeit Obamas. Es geht um die Weichenstellung für die Zukunft des Landes. Und von der hängen nicht nur die Amerikaner ab.

Fazit: Obama spricht vom "Sputnik-Moment unserer Generation" und will damit das Land zusammenschweißen. Das ist auch nötig, wollen die USA verloren gegangenes Terrain zurückgewinnen.

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