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WAZ: Die Arbeits-Moral der Kirche - Kommentar von Stefan Schulte

Essen (ots) - Wären die Kirchen wirklich die großzügigen, fürsorglichen und fairen Arbeitgeber, als die sie sich ausgeben, niemand würde sie bestreiken wollen. Das sind sie aber nicht. Im harten Wettbewerb der Pflegebranche hantieren die Manager von Diakonie und Caritas mit den gleichen Methoden, die ihre private Konkurrenz anwendet: Leiharbeit, Ausgliederung, unbezahlte Überstunden. Und das alles unter dem Deckmantel des Dienstes am Nächsten. Da sind die Privaten in ihren marktwirtschaftlichen Motiven immerhin ehrlicher. Es stimmt ja: die kirchlichen Arbeitgeber dürfen keine Gewinne machen. Das macht es für die Beschäftigten, die für wenig Geld viel leisten, aber nur schlimmer. Von Nächstenliebe muss ihnen niemand etwas erzählen, sie praktizieren sie Tag für Tag. Dass ihr Arbeitgeber genauso pfleglich mit ihnen umginge, vermissen viele. Die Kirchen müssen sich dem im Niedriglohnsektor Pflege so offensichtlichen Zwiespalt zwischen moralischem Anspruch und Arbeitswirklichkeit endlich stellen. Solange sie das nicht tun, bleiben bischöfliche Brandreden gegen Leiharbeit und für Mindestlöhne unglaubwürdig.

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