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WAZ: Geistige Orientierung. Kommentar von Tobias Blasius

Essen (ots) - Neujahrsempfänge sind normalerweise Sammlungsorte selbstzufriedener Regierungsparteien oder eines angriffslustigen Oppositionslagers. Norbert Röttgen, im Hauptberuf Bundesumweltminister und im Nebenjob neuer Chef der deprimierten NRW-CDU, beschreitet einen dritten Weg. Er will seiner Partei "geistige Orientierung" schenken, statt ihr griffige Kampffloskeln für die tägliche Auseinandersetzung mit der rot-grünen Minderheitsregierung vorzukauen.

In vier zentralen Themenfeldern solle sich die NRW-CDU erneuern und dabei an nicht weniger als den Grundsätzen des christlichen Menschenbildes und der langfristigen Schöpfungsverantwortung Maß nehmen: Schule, öffentliche Finanzen, Industriepolitik und neue Formen der Bürgerbeteiligung. Wenn Röttgen etwa das Nein zur Gemeinschaftsschule aus der Personalität des Individuums ableitet, vermag dies gewiss seinen Ruf als "Muttis Klügster" zu festigen. Ob sich mit derartiger rhetorischer Virtuosität auch ein CDU-Landesverband inspirieren lässt, der auf den Oppositionsbänken bislang eine unglückliche Figur macht, muss sich zeigen. Es ist in jedem Fall ein spannendes Polit-Experiment.

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