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WAZ: Italiens Dilemma - Kommentar von Christa Langen-Peduto

Essen (ots) - Berlusconi, was nun? Die Frage ist berechtigt, trotz der bestandenen Machtprobe. Der Regierungschef hat zwar nicht verloren. Für den siegesgewohnten Milliardär und Medienzar mag das wichtig sein. Aber mit drei durch Tricks erschlichenen Stimmen aus der Opposition kommt er nicht weit. Selbst sein Partner, die Lega Nord, spricht von vorgezogenen Neuwahlen. Dennoch war das Votum nicht umsonst. Es hat, nach Monaten der Krise, wieder klare Verhältnisse gebracht. Die Anhänger des abtrünnigen Ex-Berlusconi-Getreuen Gianfranco Fini, der den Premier stürzen wollte, sind schwächer als sie glaubten. Doch sind sie stark genug, um Berlusconi konditioniert zu haben. Künftig wird er weniger eigennützig und mehr fürs Gemeinwohl regieren, dringende Reformen anpacken müssen. In jedem anderen Land Europas hätte Berlusconi zwar wegen seiner unzähligen Skandale längst abtreten müssen. Viele Italiener schämen sich für ihn, die Mehrzahl der gebildeten Jugendlichen verabscheut ihn. Die gestrigen Studentenproteste nach Berlusconis Bestätigung beweisen das. Doch Italiens Dilemma bleibt, dass die Opposition zersplittert und folglich keine Alternative ist.

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