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WAZ: Ein Chip, der schützt - Kommentar von Annika Fischer

Essen (ots) - Alarm, Oma nähert sich dem Ausgang! Der Chip im Schuh sendet Signale, die Antenne am Handgelenk meldet ihren Standort, das System hat die Demenzkranke aufgespürt. Unsere spontane Assoziationskette aber ist kurz und führt über "Fußfessel" geradewegs zu "Freiheitsberaubung". Die erste Reaktion ist meist eine der Abwehr: Wer Menschen überall und immer orten will, wer sie also überwacht - kann der sie nicht gleich einsperren!? Wenn es an unsere Selbstbestimmung geht, sind wir empfindlich. Doch wie schwer wiegt die Selbstbestimmung eines Menschen gegenüber seiner Sicherheit und der Sorge seiner Angehörigen? Und wie selbstbestimmt ist überhaupt ein Demenzkranker, der fort will, aber nicht weiß, wohin? Der ohne Mantel und Medizin hilflos durch die Kälte irrt und nicht mal ahnt, dass er Hilfe benötigt? Da steht die mindestens entwürdigende Situation eines Menschen gegen seine Würde, mit der manche Juristen gegen den Mini-Sender argumentieren. Maßvoll und menschlich angewendet, kann ein Chip mehr Schutz bedeuten. Und sogar mehr Freiheit: Denn wer nicht weglaufen kann, muss gar nicht nicht erst unter Dauer-Beobachtung leben, schon gar nicht in einer geschlossenen Abteilung. Für den bedeutet der Sender im Socken, in der "Uhr" oder der Brosche nicht, eingesperrt zu sein. Sondern das Gegenteil.

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