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WAZ: Das Heim als letzter Ausweg. Kommentar von Matthias Korfmann

Essen (ots) - Sicher haben fast alle Schwerverbrecher mal als böse Buben angefangen. Eine kriminelle Karriere beginnt früh, und bei manchem ahnt man schon im Kindesalter: Mit dem wird es bestimmt kein gutes Ende nehmen.

Den schlechten Start ins Leben verantworten meist die Eltern. Was ist da zu tun? Die Kinder in spezielle Heime schicken, mit 24-Stunden-Intensivbetreuung? Wer nicht so glücklich ist, an seiner Seite liebende und fürsorgliche Eltern zu haben, ist dort wahrscheinlich besser untergebracht als zu Hause. Der lernt vielleicht zum ersten Mal in seinem Leben Regeln kennen und Menschen, die es gut mit ihm meinen. Anerkennung verdient auch der Gedanke des nordrhein-westfälischen Innenministers, dass frühe Hilfe besser ist als späte Härte.

Dennoch muss man die Pläne der Landesregierung kritisch hinterfragen. Denn Kinder, die offensichtlich verwahrlosen, brauchen zu allererst eine gute Familie und kein Heim, das sie sich mit anderen auffälligen Jungs und Mädchen teilen. Investitionen direkt in betreuende Familien, in "Profi-Eltern", die sich in einem ganz normalen Haushalt um Verhaltensauffällige kümmern, dürften sich am Ende eher auszahlen.

Der Satz "Du kommst ins Heim" war immer schon mehr Drohung als Verheißung. Daran ändert auch die feinste Pädagogik nichts.

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