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WAZ: Streit über Kinder-Freibeträge - Die Entdeckung der Familien - Leitartikel von Norbert Robers

Essen (ots)

So schnell kann es gehen: Es sind gerade mal sechs
Jahre vergangen, seit SPD-Altkanzler Gerhard Schröder seiner 
Verachtung über die Frauen- beziehungsweise Familien-Politik 
drastisch Ausdruck verlieh und von "Gedöns" sprach. Heute vergeht 
kaum noch ein Tag, ohne dass nicht irgendein Parteifunktionär einen 
mehr oder weniger relevanten Beitrag zur Familienpolitik leistet - 
aktuell geht es um die Kinder-Freibeträge. Das liegt einerseits 
daran, dass es sich tatsächlich um ein weites Feld handelt - vom 
Kinder- und Elterngeld über die Zahl der Krippenplätze bis hin zu 
verbesserten Berufschancen für Mütter - und damit die Zahl der 
thematisch beteiligten Abgeordneten und Minister relativ hoch ist. 
Andererseits hat dieses Thema in den vergangenen Jahren tatsächlich 
einen dramatischen Bedeutungssprung gemacht: Die Entdeckung der 
Familie ist weit vorangeschritten.
So weit sogar, dass vor dem Hintergrund der demografischen 
Entwicklung die Familienpolitik zu einer Art allgemeiner 
Zukunftssicherungs-Politik avanciert ist. Wer Familien bemuttert, 
lautet die neue und parteiübergreifende Devise, stoppt den 
Überalterungsprozess, macht (wählende) Frauen glücklich, fördert die 
Beschäftigungs- und senkt die Armutsquoten, mildert damit nebenher 
das Problem eines mutmaßlich sinkenden Rentenniveaus ab und 
verschafft über eine frühkindliche Förderung der Republik insgesamt 
einen Vorteil im globalen Wettbewerb um Wissen und Können. Vom Gedöns
zum Patentrezept: Es gibt nur wenige Politikfelder, auf denen sich 
innerhalb so kurzer Zeit ein solch fundamentaler Mentalitätswandel 
ereignet hat.
Man kann über einzelne Schritte streiten - aber die 
Neuausrichtung und die Fixierung auf die Familienpolitik gehören zu 
den wesentlichen Errungenschaften von Kanzlerin Merkel und 
Familienministerin von der Leyen. Letztgenannte hat es geschafft, 
dass die Gesellschaft die erste Phase der Debattenhysterie, vor allem
unter Männern, überwunden hat und in der Sache zielgerichtet 
diskutiert. Und zwar über eine moderne Familienpolitik, die erstens 
auch Müttern eine Wahl lässt und ihnen Möglichkeiten am Arbeitsmarkt 
eröffnet, und die zweitens das Bildungsangebot für (Klein-) Kinder 
verbessert.
Moderne Familienpolitik ist auch, aber nicht nur eine Geldfrage. 
Es geht vor allem darum, Respekt vor unterschiedlichen familiären 
Lebensformen zu zeigen. Das ist der beste Weg, um den viel zitierten 
Generationenkonflikt von morgen zu verhindern.

Pressekontakt:

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Zentralredaktion
Telefon: 0201 / 804-2727
zentralredaktion@waz.de

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