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WAZ: In Berlin ist Sommerpause: Die Parteien suchen nach Themen - Leitartikel von Angela Gareis

Essen (ots)

Als Peter Struck in dieser Woche Bundeskanzlerin
Angela Merkel und einige Unionspolitiker beim Fest der SPD-Fraktion 
begrüßte, entrutschte ihm ein interessanter Satz: "Herzlich 
willkommen bei euch - äh, bei uns." Es wäre vermutlich übertrieben, 
aus diesem Versprecher die Angst vor einer feindlichen Übernahme zu 
lesen. Aber die SPD geht beklommen in die Sommerpause, mit miserablen
Umfragewerten sowie der Linkspartei vor Augen und mit dem Satz der 
CDU-Vorsitzenden im Gedächtnis: "Wir sind die Volkspartei der Mitte."
Der Kampf um die Mitte im Jahre 2009 hat längst begonnen, nicht 
nur, weil wichtige Landtagswahlen anstehen. Die Große Koalition hat 
sich erschöpft, wie Bürger es wahrnehmen. Die Mehrheit erwartet von 
dieser Regierung nicht mehr viel Regierung. Ende August wird das 
Kabinett nach verbliebenen Gemeinsamkeiten forschen und wohl wenig zu
Tage fördern, denn die Gemeinsamkeiten haben die Parteien geschwächt 
und die Profile verwischt. So jedenfalls sehen Politiker das, weshalb
sie nun engagiert Profile nachzeichnen.
Auf der Suche nach einem emotionalen, identitätsstiftenden Thema 
ist die SPD beim Mindestlohn fündig geworden. Er soll die 
Sozialdemokraten vom Image der kühlen Reformer befreien. Die Union 
versucht mit dem Bundeswehreinsatz im Inneren den Verdacht zu 
zerstreuen, sie habe sich selbst zu stark reformiert. Ähnlich wie die
SPD unter Gerhard Schröder hat sich die CDU unter Angela Merkel 
gewaltig verändert. Sie hat ihr Familienbild erweitert, neoliberale 
Züge abgestreift, in der Umweltpolitik grüne Züge angenommen und 
wirbt um großstädtische Wähler. Der Bundeswehreinsatz im Inneren 
signalisiert irritierten Konservativen, dass die Modernisierung der 
CDU Grenzen hat. In der Sommerpause wird zu beobachten sein, wie die 
Parteien sich aufstellen - und wie sie mit der neuen Linken umgehen. 
Die CDU wird in einer überarbeiteten Neuauflage der 
Rote-Socken-Kampagne vor rot-roten Bündnissen warnen.
Die SPD schlingert zwischen Dämonisierung und Verzweiflung. 
Vielleicht wäre es hilfreich für beide Parteien, sich mit dem 
Phänomen "Linke" zu beschäftigen. Denn egal, was man von Oskar 
Lafontaine und seinen abstrusen Gedanken halten mag, er gibt den 
Hoffnungsarmen eine Stimme. Er erinnert die Volksparteien daran, dass
vom Aufschwung im Land bei weitem nicht alle profitieren und dass 
eine größer werdende Gruppe von der Gesellschaft einfach abgekoppelt 
wird. Politiker wie Lafontaine überflüssig zu machen, könnte ein 
gutes Projekt für die zweite Halbzeit der Koalition sein.

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Telefon: (0201) 804-8975
zentralredaktion@waz.de

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