Bayerische Landesärztekammer

(Haus-) Arztbild der Zukunft

München (ots) - Zum Arztbild der Zukunft sprach Dr. Max Kaplan, Vizepräsident der Bayerischen Landesärztekammer (BLÄK) im Vorfeld des 66. Bayerischen Ärztetages in Würzburg. Kaplan trat für die konkrete Förderung der Weiterbildung zum Facharzt für Innere und Allgemeinmedizin ein, insbesondere für die Installation einer Koordinierungsstelle mit Ärztekammer, Kassenärztlicher Vereinigung (KV) und Krankenhausgesellschaft, die Poolbildung zur Verteilung der Fördergelder, die Schaffung von Weiterbildungsverbünden und die Anhebung der Fördergelder auf je 2.000 Euro von Krankenkassen und KV. Im Bereich der ärztlichen Ausbildung müssten vermehrt Praktika in Hausarztpraxen von mindestens vier Wochen absolviert werden, was für Bayern einen Bedarf von ca. 600 Lehrpraxen ausmache. Im Praktischen Jahr (PJ) sollte die Allgemeinmedizin zur Pflicht werden (Novellierung der Approbationsordnung). Auch müssten die PJ-Studenten angemessen honoriert werden, was einer Änderung der Prüfungsordnung bedürfe. Die Allgemeinmedizin müsse ferner in der universitären Forschung und Lehre stärker präsent sein, was Lehrstühle für Allgemeinmedizin an allen medizinischen Fakultäten bedeute. Zur Förderung der Niederlassung forderte Kaplan "im Rahmen der Mittelstandsförderung" zinslose Darlehen an niederlassungswillige Ärztinnen und Ärzte, eine Anschubfinanzierung, eine Art Umsatzgarantie für Starter-Praxen und einen Investitionszuschuss zur flächendeckenden Installation von Bereitschaftspraxen.

Zusammenarbeit

Zum Arztbild der Zukunft gehöre jedoch auch die Zusammenarbeit mit anderen Berufen. So sehe das Pflegeweiterentwicklungsgesetz 2008 Modellvorhaben nach § 63 Abs. 3b und c -neu- SGB V vor. Das heiße konkret in Abs. 3b die Erprobung einer beschränkten Therapie- und Verordnungskompetenz für Pflegeberufe und Physiotherapeuten im Rahmen der Delegation in Abs. 3c die Erprobung der Übertragung ärztlicher Tätigkeiten an nichtärztliche Gesundheitsberufe, insbesondere Pflegekräfte oder die selbständige Ausübung von Heilkunde durch nichtärztliche Gesundheitsberufe nach entsprechender Qualifikation. Dabei reklamiere die Pflege schon heute die Übernahme von 30 % der ärztlichen Leistungen im Krankenhaus oder die Leitung von "Low Care Units" in eigener Verantwortung. Physiotherapeuten forderten den "direct access", d.h. eigene Verordnungskompetenz und Budgetverantwortung. Sie alle forderten eine Zuständigkeit für ein "Case Management". Dem setzte Kaplan die Forderungen der Ärzteschaft bei einer Neuverteilung von Aufgaben entgegen. "Vorrang hat auf jeden Fall der Patientenschutz", sagte der Vize. Weiter warb er für die Beibehaltung des Facharztstandards in der Patientenversorgung und stellte fest: Delegation ja, Substitution nein. Eine Absage erteilte der Vize einer Teilbarkeit der therapeutischen Gesamtverantwortung und einer Einführung einer neuen nichtärztlichen Versorgungsebene. Dem Arztberuf will Kaplan wieder eine Perspektive geben. "Das Berufsbild Arzt muss durch Kooperation und Delegation wieder auf seine originären Aufgaben zurückgeführt werden. Wichtig sei es, die Lebensqualität durch Nutzung neuer Kooperationsformen einschließlich der Bildung von Bereitschaftspraxen zu verbessern. "Eine Work-life-Balance kann durch die Verringerung der Arbeitszeiten sowie Arbeits- und Dienstbelastung, Einkommensverbesserungen und Etablierung einer guten Infrastruktur, wie z. B. Kinderbetreuung, erfolgen", sagte Kaplan. Nur dann gäbe es auch für den Hausarzt eine Zukunftsperspektive. Es gelte ein neues Bild der Rolle der Allgemeinmedizin zu entwickeln, das den Patientenerwartungen und dem Selbstbildnis der nachwachsenden Ärztegeneration entspricht. Man müsse sich verabschieden von einem idealisierten Hausarztbild und hin zum Hausarzt als Koordinator und Manager eines interdisziplinären Praxisteams, dessen Mitglieder mehr Verantwortung übernehmen, kommen. Die Hausarztpraxis der Zukunft wird eine Teampraxis sein. Mit einem realistischen Berufsbild haben wir wieder die Chance, dass es sich lohnt als Mediziner Arzt zu sein.

Forderungen der Ärztinnen und Ärzte

   - Beibehaltung des Facharztstandards in der Patientenversorgung
   - Delegation statt Substitution ärztlicher Leistungen
   - Keine Teilbarkeit der therapeutischen Gesamtverantwortung und
   - keine Einführung einer neuen nichtärztlichen Versorgungsebene 

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