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03.02.2020 – 21:33

BERLINER MORGENPOST

Mehr Fairness im Handel
Leitartikel von Beate Kranz zu Lebensmittelpreisen

Berlin (ots)

Kurzform: Milliardenschwere Subventionen sollten nicht mehr mit der Gießkanne an alle Landwirte verteilt werden. Vielmehr müssten sie gezielt an Bauern gehen, die bereit sind, ihr Tiere artgerecht aufzuziehen, und die ihr Getreide, Obst und Gemüse mit möglichst wenig Pestiziden behandeln oder sogar ganz darauf verzichten. Alle Agrarprodukte sollten zudem nach dem Vorbild der Eier-Kennzeichnung markiert werden, unter welchen Bedingungen sie gewachsen oder gezüchtet wurden. Nur so hat der Verbraucher überhaupt die Chance, sich bewusst für gute Lebensmittel von höherer Qualität zu entscheiden. Dann wächst vielleicht auch die Bereitschaft, gern etwas mehr für Lebensmittel auszugeben.

Der vollständige Leitartikel: Wenn im Supermarkt zwei Kilo Äpfel für 1,11 Euro angeboten werden, ein Kilo Möhren für 69 Cent oder 4ein Kilo Hühnerfleisch für 1,99 Euro - spätestens dann müsste sich jeder Verbraucher fragen, wie dies möglich ist. Kann es sein, dass Lebensmittel so billig produziert werden? Können Bauern davon leben? Verdient hier überhaupt noch jemand? Tatsächlich sind solche Lockangebote in Supermärkten und Discountern keine Ausnahme. Lebensmittel sind in Deutschland im Vergleich zu manchen Nachbarländern wie Österreich oder die Schweiz deutlich günstiger. Hintergrund für diese Entwicklung ist vor allem der harte Konkurrenzkampf unter den Lebensmittelketten Aldi, Lidl, Rewe und Edeka, der seit Jahren tobt. Mit immer neuen Rabattaktionen versuchen die "großen Vier" Kunden zu gewinnen und ihre Marktanteile auszubauen. Profiteure dieser Preisschlacht sind bislang die Verbraucher. Für sie gehören Rabatte zum Alltag. Und manche Schnäppchenjäger steuern nicht nur zu Festtagen gezielt jene Händler an, die Fleisch oder Schaumwein gerade zu unschlagbar günstigen Preisen verhökern. Man kann es keinem verdenken, sie verhalten sich marktgerecht. Doch die Rabattschlachten haben längst auch negative Seiten. Da Handelskonzerne nicht nur auf Kundenfang sind, sondern auch möglichst hohe Profite anstreben, üben sie auf Lebensmittelhersteller und Bauern zunehmend stärkeren Druck aus, ihre Produkte immer günstiger anzubieten. So günstig, dass deren Gewinne schrumpfen - und insbesondere die Landwirte an den Rand der wirtschaftlichen Überlebensfähigkeit geraten. Kleine regionale Lebensmittelanbieter - wie man sie oft auf Wochenmärkten antrifft - haben teilweise überhaupt keine Chance, von den Großen gelistet zu werden, um ihre Waren an den Mann und die Frau zu bringen. Die Kräfteverhältnisse sind dabei mehr als unfair. Die kleinen Bauern gegen die milliardenschweren Handelskonzerne - ein Kampf zwischen David und Goliath. Wer nicht billig genug produziert, fliegt aus dem Sortiment. Und die Giganten können sich offenbar immer mehr erlauben und Bedingungen stellen. Wer mit seinen Produkten in den Regalen der großen Filialketten landen will, muss zahlen. Mal für Werbung, mal schlicht als Eintrittsgeld. Diese Praxis hat die EU bereits im vergangenen Jahr mit einer neuen Richtlinie verboten. Nun sollte sich die Bundeslandwirtschaftsministerin dringend beeilen, diese Regelung möglichst schnell auch in deutsches Recht umzusetzen, um wenigstens für etwas fairere Geschäftsregeln zu sorgen. Das Problem für eine höhere Wertschätzung von Lebensmitteln oder gar einer artgerechteren Tierhaltung ist damit aber nicht gelöst. Denn: Selbst höhere Preise in Supermärkten sind keine Garantie dafür, dass deshalb auch die Bauern tatsächlich mehr Geld für ihre Kartoffeln und ihr Getreide erhalten. Hier ist ein grundsätzliches Umdenken in der Agrarpolitik gefragt. Milliardenschwere Subventionen sollten nicht mehr mit der Gießkanne an alle Landwirte verteilt werden. Vielmehr müssten sie gezielt an Bauern gehen, die bereit sind, ihr Tiere artgerecht aufzuziehen, und die ihr Getreide, Obst und Gemüse mit möglichst wenig Pestiziden behandeln oder sogar ganz darauf verzichten. Alle Agrarprodukte sollten zudem nach dem Vorbild der Eier-Kennzeichnung markiert werden, unter welchen Bedingungen sie gewachsen oder gezüchtet wurden. Nur so hat der Verbraucher überhaupt die Chance, sich bewusst für gute Lebensmittel von höherer Qualität zu entscheiden. Dann wächst vielleicht auch die Bereitschaft, gern etwas mehr für Lebensmittel auszugeben.

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