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Noch mehr Multi in Berlin
Kommentar von Susanne Leinemann zu Kitas

Berlin (ots)

Kurzform: Hinter dem rasanten Wachstum der "multiprofessionellen Teams" in den Kitas steckt die pure Not. Die Nachfrage nach Kitaplätzen steigt stetig, der räumliche Kitaausbau schreitet voran, aber immer häufiger fehlen die Fachkräfte. Was hilft ein toll eingerichteter neuer Kitabereich ohne Erzieher? Also lockern sich die Anforderungen. So ein bisschen mit Drei- oder Fünfjährigen herumspielen, das kann doch fast jeder. Hauptsache, die Kinder sind beaufsichtigt. Und möglichst wenige Eltern müssen ihren Kitaplatz einklagen. Doch "multiprofessionelle Teams" können alles sein. Nur keine Pädagogen.

Der vollständige Kommentar: "Multiprofessionelle Teams" übernehmen zunehmend die Kitas der Hauptstadt. Passt irgendwie zu Berlin, dem Geburtsort der Kinderläden. Hier lief nie alles nach Lehrbuch, Alternativen wurden gesucht und gelebt. Warum also sollen sich nur klassische Erzieherinnen und Erzieher mit den Allerkleinsten beschäftigen, sie fördern und behüten? Warum nicht auch Quereinsteiger, die ursprünglich ganz andere Beruf hatten, aber nun spät ihre Berufung zur Pädagogik entdecken. "Das sind oft hochmotivierte Mitarbeiter", sagt Roland Kern vom Dachverband Berliner Kinder- und Schülerläden. Stimmt. Doch der Grund für das rasante Wachstum der "multiprofessionellen Teams" ist ein anderer: Dahinter steckt die pure Not. Die Nachfrage nach Kitaplätzen steigt stetig, der räumliche Kitaausbau schreitet voran, aber immer häufiger fehlen die Fachkräfte. Was hilft ein toll eingerichteter neuer Kitabereich ohne Erzieher? Also lockern sich die Anforderungen. So ein bisschen mit Drei- oder Fünfjährigen herumspielen, das kann doch fast jeder. Hauptsache, die Kinder sind beaufsichtigt. Und möglichst wenige Eltern müssen ihren Kitaplatz einklagen. Alles schick! Allerdings wandelt sich der Anspruch an die Kitas - es geht nun um Qualität. Bildungsforscher Olaf Köller, der in Berlin die Qualitätskommission für Bildung leitet, hat erst kürzlich klargemacht, dass eine erfolgreiche Schulkarriere in der Kita beginnt. "Frühkindliche Bildung" heißt das Zauberwort. Kindern früh den Spaß am Lernen und Entdecken vermitteln, so dass sie besser vorbereitet in die Schule kommen. Ob wir dafür in den nächsten Jahren das richtige Personal in den Kitas haben? Das weiß keiner genau. "Multiprofessionelle Teams" - sie können alles sein. Nur keine Pädagogen.

Pressekontakt:

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Telefon: 030/887277 - 878
bmcvd@morgenpost.de

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