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Berliner Morgenpost: Zur Diksussion um ein neues Organspende-Gesetz

    Berlin (ots) - Wer in der Familie oder im Freundeskreis einmal mit gebangt hat, ob für einen schwer Erkrankten noch rechtzeitig das lebensrettende Organ gefunden wird, weiß um die menschliche Dimension einer solchen Spende. Für den, der sie gibt, hat sie den (Hirn-)Tod bedeutet. Für den, der sie empfängt, gibt es die Chance auf ein neues Leben. So kann aus tiefem Schmerz dankbare Hoffnung wachsen. In Deutschland allerdings ist die Bereitschaft zur Organspende nicht besonders ausgeprägt. Zwar ist ihre Zahl in den ersten Monaten des laufenden Jahres leicht gestiegen. Im vergangenen Jahr jedoch wurde insgesamt ein deutlicher Rückgang registriert. Nur noch 1198 Menschen spendeten nach ihrem Tod Organe; 8,8 Prozent weniger als 2007. Aber: In Deutschland warten etwa 12000 Menschen auf eine lebensrettende Transplantation, etwa 1000 Patienten sterben jährlich, weil für sie das benötigte Organ nicht rechtzeitig zur Verfügung steht. Dabei ist es eigentlich ganz einfach zu helfen. Man braucht sich nur einen Organspendeausweis zu besorgen. Und den halten viele Apotheken und Hausärzte bereit. Aber - so einfach ist es eben doch nicht, weil damit die zwangsläufige Auseinandersetzung mit dem eigenen Tod verbunden ist. Die lässt sich schwerlich vermeiden, wenn es darum geht, vorab sein schriftliches Einverständnis zu geben, nach dem Tod die eigenen Organe für andere zu spenden. Bekanntlich aber neigt der Mensch dazu, den Tod zu verdrängen. Und so führen bislang nur 17 Prozent der Deutschen einen Organspendeausweis mit sich. Allerdings ist der Prozentsatz derer, die ganz grundsätzlich ihre Bereitschaft zur Spende ihrer Organe signalisieren, viel größer: fast 67 Prozent. Es gibt also keine prinzipielle Ablehnung. Woran es mangelt, ist der entscheidende zweite Schritt; der Einsicht in die gute Tat auch die konkrete Konsequenz des eigenen Spendeausweises folgen zu lassen. Mehr Aufklärung, wie sie das Bundesgesundheitsministerium jetzt vor dem Jahrestag der Organspende verspricht, ist zu begrüßen. Doch sie müsste damit verbunden werden, dass in allen Arztpraxen und Apotheken unübersehbar Spendenausweise zur Ausfüllung ausliegen, um aus der latenten Bereitschaft eine Entscheidung zu machen. Und warum nicht gar eine Postwurfsendung wagen, um auch zögerliche gesunde Menschen zu motivieren, Organspender zu werden? Mehr als 1000 Menschen jährlich müssten in Deutschland nicht sterben, wenn es genügend Organspender gäbe. Dennoch sollte zumindest vorerst an der "erweiterten Zustimmungslösung" festgehalten werden, nach der Organe nur entnommen werden dürfen, wenn der Tote vorher selbst per Ausweis zugestimmt hat oder die Angehörigen Ja zu einer Entnahme sagen. Andere Länder wie Belgien, Spanien oder Österreich haben weniger Bedenken. Bei ihnen gilt die Widerspruchslösung. Nach ihr ist eine Organentnahme erlaubt, wenn sie nicht ausdrücklich abgelehnt wird. Eine Regelung zur Rettung von Leben, die auch hierzulande ernsthaft diskutiert werden muss, wenn die Bereitschaft zur freiwilligen Spende weiter schwindet.

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