Kolping: Reform des Elterngeldes geht in falsche Richtung
Kolping: Reform des Elterngeldes geht in falsche Richtung
Die von Bundesministerin Prien angekündigte Kürzung bei der Leistungsdauer des Elterngeldes setzt nach Überzeugung von Kolping Deutschland falsche Prioritäten. Die aktuellen Planungen machen deutlich, dass die schwarz-rote Koalition ihren familienpolitischen Kompass verloren hat.
Köln – 9. Juli 2026
Am Dienstag hat Karin Prien, Bundesministerin für Familie und Bildung, erklärt, dass die Koalition den maximalen Zeitraum für den Bezug von Elterngeld von 14 auf 12 Monate kürzen will. Bislang können Eltern für maximal 14 Monate Elterngeld beantragen, sofern beide Elternteile für mindestens zwei Monate in Elternzeit gehen. Nach neuesten Planungen werden es in Zukunft nur noch höchstens 12 Monate sein – unter der Voraussetzung, dass beide Elternteile mindestens drei Monate in Elternzeit gehen. Im Gegenzug soll der ausgezahlte Höchstbetrag pro Monat von derzeit 1.800 Euro auf 1.900 Euro angehoben werden. Diese Schwelle wurde seit Einführung des Elterngeldes vor fast 20 Jahren nicht mehr angehoben.
"Wir erleben erneut, dass die Bundesregierung die falschen Prioritäten setzt", kritisiert die Bundesvorsitzende von Kolping Deutschland, Klaudia Rudersdorf, die aktuellen Planungen der Bundesregierung. Das Elterngeld stelle ein wichtiges familienpolitisches Instrument dar, um Eltern nach der Geburt ihres Kindes finanziell zu unterstützen und die Möglichkeit zu schaffen, sich voll und ganz der Betreuung ihres Kindes zu widmen.
„Dass die maximale Bezugsdauer von 14 Monaten für Mütter und Väter gekürzt wird, geht in eine völlig falsche Richtung“, ergänzt Rudersdorf. Nicht nur angesichts einer stetig rückläufigen Geburtenzahl sei dies fatal. In den letzten vier Jahren ist die Geburtenzahl in Deutschland um fast 20 Prozent eingebrochen und auf einem historisch niedrigen Niveau angekommen. Die aktuellen Reformüberlegungen machten auch deutlich, dass Familien in der politischen Prioritätensetzung eine untergeordnete Rolle spielen.
Kolping regt an, dass vielmehr über eine Erhöhung des aktuellen Elterngeldsatzes nachgedacht werden sollte. Derzeit erhalten Mütter und Väter, die sich für eine Elternzeit im ersten Lebensjahr ihres Kindes entscheiden, 70 Prozent ihres Einkommens. Maximal werden monatlich 1.800 Euro von der Elterngeldstelle ausgezahlt. "Sowohl der Prozentsatz als auch die Schwelle sind seit fast zwei Jahrzehnten nicht mehr angehoben worden", stellt Rudersdorf fest. Dadurch seien auch die deutlichen Preissteigerungen der letzten Jahre völlig außer Acht gelassen worden. Faktisch sei damit die Möglichkeit, finanziell sorgenfrei in Elternzeit gehen zu können, für einen größer werdenden Teil der Gesellschaft hinfällig geworden. Insofern müsse es eine spürbare Anpassung nach oben geben, in der sich auch der Respekt für familiäres Engagement wiederfinde, so Rudersdorf. Auch wäre im Sinne einer gleich-verteilten Erziehungsverantwortung denkbar, dass Elterngeld in voller Dauer nur ausgezahlt wird, wenn Mütter und Väter für einen gleich langen Zeitraum in Elternzeit gehen.
Als Sozialverband mit rund 200.000 Mitgliedern, darunter etwa 34.000 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene, setzt sich Kolping besonders für die Interessen von jungen Menschen und Familien ein. Dieses Engagement wird unter anderem in bundesweit rund 2000 Kolpingsfamilien gelebt.
Kolping Deutschland ist ein generationsübergreifender katholischer Sozialverband mit bundesweit rund 200.000 Mitgliedern, davon etwa 34.000 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene, die der Kolpingjugend angehören. In seinen Einrichtungen und Unternehmen sind rund 10.000 Mitarbeitende beschäftigt. Kolping Deutschland ist Teil von Kolping International und von Kolping Europa.
Pressestelle
Kolping Deutschland Christoph Nösser, Pressesprecher St-Apern-Str. 32, 50667 Köln Tel. 0221-20701-110 E-Mail: christoph.noesser@kolping.de www.kolping.de