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Lausitzer Rundschau: zu: Versuchter Mord an einem Deutschafrikaner in Potsdam

    Cottbus (ots) - Entsetzen macht sich breit. Da wird ein Familienvater an einer Straßenbahnhaltestelle in Potsdam ins Koma geprügelt. Der einzige Grund, dem Mann den Schädel einzuschlagen, war seine dunkle Hautfarbe. Rassistische Gewalttaten wie diese ziehen seit der Wende eine blutige Spur durch Ostdeutschland: In Eberswalde schlagen Rechtsradikale einen Angolaner tot. In Dresden stirbt bei einem Skinhead-Angriff ein Mosambikaner. Im märkischen Mahlow verunglücken drei dunkelhäutige Briten, nachdem Rechtsextremisten ihr Auto mit Steinen beworfen haben. In Trebbin wird ein Italiener mit einem Baseballschläger ins Koma geprügelt. In Guben stirbt ein Algerier auf der Flucht vor Rechtsextremisten. In Halle wird ein weiterer Mosambikaner erschlagen, in Mecklenburg ein Algerier, in Wittstock ein Spätaussiedler. Und jetzt der lebensgefährlich verletzte, gebürtige Äthiopier mit deutschem Pass in Potsdam. Die Ruhe zwischen diesen barbarischen Taten war trügerisch. Rassistisches und fremdenfeindliches Denken breitet sich im Stillen aus: an Stammtischen, im Verein, in Jugendcliquen. Demgegenüber hat sich an vielen Orten eine fatale Mischung aus Angst und Gleichgültigkeit breit gemacht. Und die vielen lokalen und regionalen Initiativen gegen Fremdenfeindlichkeit und Extremismus in den vergangenen Jahren - alles umsonst? Nein. Denn ein Cottbuser Busfahrer half kürzlich einem überfallenen Mazedonier, obwohl ihn Fahrgäste deshalb anpöbelten. Ein beherzter Taxifahrer kam dem schwer verletzten dunkelhäutigen Deutschen in Potsdam zu Hilfe. Neben Aufklärung, Repression durch Polizei und Justiz ist Zivilcourage das wichtigste Mittel im Kampf gegen Rechtsextremismus. Potsdam ist deshalb dank des Taxifahrers auch ein Zeichen der Hoffnung - trotz allen Entsetzens.

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