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Lausitzer Rundschau: Zu 15. Osteuropäisches Filmfestival/Cottbus: Der Himmel über Europa

    Cottbus (ots) - Die Lausitzer Rundschau, Cottbus, zu 15. Osteuropäisches Filmfestival/Cottbus:

    Wir sind die Kinder einer unsicheren Nation, sagte einst der Theater- und Opernregisseur Adolf Dresen, einer der Besten seines Faches. Sohn Andreas ist gerade dabei, einer der besten Filmregisseure Deutschlands zu werden. Mit seinem neusten Film Sommer vorm Balkon, beim osteuropäischen Filmfest in Cottbus außerhalb des Wettbewerbs voraufgeführt, begeisterte Dresen das Publikum. Was macht dieses Filmfest so ungewöhnlich? Es ist das Unverwechselbare, es sind Filme, die diesseits der Neiße kaum zu sehen sind und nur manchmal zu internationalem Ruhm gelangen. Oft hatten sie ihren Start in Cottbus. Es sind die Liebe und die Sorgfalt, mit der Regisseure und Autoren vom Leben in anderen Ländern erzählen. Osteuropäisches Kino ist zwischen Liebe und Hass ein Kino der ganzen Gefühle. Mit viel Optimismus, aber auch oft mit Verzweiflung und Humor erzählen Filmemacher von einem Alltag, der anders ist als der unsrige, der andere Probleme hat und Sichtweisen. Von denen aus zum Beispiel die deutsche Diskussion über den Wegfall der Eigenheimzulage wohl eher etwas irrational Belustigendes hat. Dennoch ist uns Osteuropa näher, als wir manchmal wahrhaben wollen. Denn es geht auch hier um die alten Fragen der Menschheit: um Würde, um Moral und darum, wie man das Leben in schweren Zeiten meistert. Beim jungen Dresen geht es um den Glücksanspruch zweier Frauen, die zwischen Hartz IV und Minijob, zwischen kruden Typen und Berliner Eckkneipen auf ihr Recht auf Liebe bestehen, auf eine Gesellschaft, die den Menschen braucht. Dem alten Dresen war die deutsche Kulturnation wichtiger als der deutsche Nationalstaat. Dem jungen Dresen sind Kategorien wie Heimat, Identität und Moral wichtig. Sein Kameraschwenk vom Balkon der Träume über die Dächer von Berlin hat etwas Symbolisches. Der Himmel über Berlin war noch nie so wenig preußisch wie heute. Er ist nicht so viel anders als der über Moskau, Warschau oder Prag. Die jetzt heftig über Patriotismus und Leitkultur diskutieren, sollten das als Chance sehen.


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