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Lausitzer Rundschau: Hoffen auf ein Wunder Zur Wiederaufnahme direkter Nahost-Friedensgespräche

Cottbus (ots) - Mehr als je zuvor ist diesmal die neue Runde der Gespräche zwischen Israel und Vertretern der Palästinenser geprägt vom Druck, der von außen auf beide Parteien ausgeübt wird. Für den amerikanischen Präsidenten Barack Obama hängt seine gesamte Politik gegenüber der islamischen Welt davon ab, dass er ernsthafte Bemühungen zur Friedenslösung nachweist. Deswegen wird seit Monaten daran gearbeitet, beide Seiten an einen Tisch zu bekommen. Neue Vorschläge liegen dem nicht zugrunde. Sie sind auch nur schwer vorstellbar, es ist schließlich alles schon mehrfach durchgesprochen, was überhaupt denkbar ist an Fahrplänen. Neu ist lediglich die Haltung Washingtons, die nicht mehr im gleichen Maße wie noch unter GeorgeW. Bush den Israelis freie Hand lässt. Aber ob dies reicht für Fortschritte, muss bezweifelt werden. Die israelische Bevölkerung hat sich daran gewöhnt, Geisel der radikalen Siedlergruppen zu sein, die mit ihren Aktivitäten versuchen, die Grenzen zu verschieben. Die Palästinenser sind gespalten und weder die Hamas, die Gaza beherrscht, noch die Autonomiebehörde, die im Westjordanland regiert, haben ein eindeutiges Mandat zur Vertretung ihrer Interessen. Die Palästinenser uneins und die israelischen Politiker in der Angst vor einer Wählerschaft, die im Zweifelsfall sowieso nicht an den Friedenswillen der Araber glaubt - all dies sind denkbar schlechte Voraussetzungen für Fortschritte. Deswegen gleichen die jetzt angesetzten Gespräche über die Zukunft im Land der Bibel auch dem sehnsüchtigen Hoffen auf ein unvorhergesehenes Wunder. Falls keiner der Beteiligten plötzlich mit einem ganz neuen Konzept auftaucht, so müsste das Wunderbare in der Einsicht bestehen, dass die derzeitige Situation keinem mehr nützt und größere Gefahren birgt als der Aufbruch ins Ungewisse. Für Israels Bürger würde dies beispielsweise bedeuten, sich mit der Vorstellung anzufreunden, dass gute nachbarschaftliche Beziehungen besser schützen als meterhohe Mauern. Für die verantwortlichen Vertreter der Palästinenser wäre das Wunder mit der Erkenntnis verbunden, dass die von ihnen kontrollierten Gebiete auch ohne stetige Milliardenhilfen und der damit verbundenen Korruption regierbar werden. Der Frieden im Nahen Osten ist so gesehen nur möglich als ein Akt der Befreiung von tiefsitzenden Ängsten und despotischer Herrschaft. Dafür aber sitzen in Washington dann die denkbar schlechtesten Akteure am Verhandlungstisch. Und es agieren darüber hinaus auch noch andere in der Region, die ein klares Interesse an der Fortsetzung der Konfrontation haben. Einen Versuch ist der Frieden dennoch wert - und eine der Erfahrungen der Menschen in dem umstrittenen Land ist es auch, dass zuweilen das völlig Unerwartete, Unvorhersehbare passiert - etwas, was man ein Wunder nennen könnte.

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