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Sudan: Mindestens 245 Kinder in den ersten 90 Tagen des Jahres getötet oder verstümmelt | UNICEF

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Sudan: Mindestens 245 Kinder in den ersten 90 Tagen des Jahres getötet oder verstümmelt

Fast 80 Prozent aller Tötungen und Verstümmelungen von Kindern in diesem Jahr gehen auf Drohnenangriffe zurück

New York/Port Sudan/Köln, den 14. April 2026

Drei Jahre nach Ausbruch des Konflikts im Sudan zahlen Kinder weiterhin den höchsten Preis. Zwischen Januar und März 2026 wurden landesweit mindestens 160 Kinder getötet und 85 verstümmelt – ein Anstieg von 50 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Am schwersten betroffen sind Kinder in Darfur und Kordofan – die anhaltende Gewalt treibt die Zivilbevölkerung dort immer tiefer in die Krise.

Mehr als fünf Millionen Kinder wurden seit Ausbruch des Konflikts vertrieben – viele mehrfach, während sich Frontlinien immer wieder verschieben und die Gewalt sich weiter ausbreitet.

„Seit drei Jahren werden Kinder im Sudan in erschreckendem Ausmaß getötet, verletzt und vertrieben", sagte UNICEF-Exekutivdirektorin Catherine Russell. „Ihre Häuser, Schulen und Krankenhäuser werden angegriffen. Gewalt gegen Kinder ist niemals zu rechtfertigen – sie veranschaulicht das kollektive Versagen der Konfliktparteien, die grundlegendsten Rechte der Kinder zu schützen."

In den am stärksten betroffenen Gebieten zerstören anhaltende Angriffe weiterhin Häuser, Schulen, Märkte und Krankenhäuser. Besonders verheerend sind Drohnenangriffe: 78 Prozent aller gemeldeten Opfer unter Kindern gehen auf ihren Einsatz zurück.

Seit Beginn des Krieges haben die Vereinten Nationen mehr als 5.700 schwere Verletzungen der Kinderrechte* verifiziert. Mindestens 5.100 Kinder sind betroffen – 4.300 von ihnen wurden getötet oder verstümmelt. Darfur und Kordofan verzeichnen die höchsten Opferzahlen unter Kindern. Das tatsächliche Ausmaß dürfte jedoch weit höher liegen: Unsicherheit und eingeschränkter Zugang erschweren eine lückenlose Überwachung und Verifizierung.

Familien leben in überfüllten, prekären Verhältnissen – die Grundversorgung ist vielerorts zusammengebrochen. Große Teile des Sudan sind aufgrund von Unsicherheit, zerstörter Infrastruktur und bürokratischen Hürden von humanitärer Hilfe abgeschnitten. Besonders stark eingeschränkt ist der Zugang in den Regionen Darfur, Kordofan und Teilen des Blauen Nils – viele der am stärksten gefährdeten Kinder können dort nicht mit humanitärer Hilfe erreicht werden.

Hunger, Krankheiten und das Risiko einer Hungersnot greifen weiter um sich – getrieben von Gewalt, wiederholter Vertreibung und stark eingeschränktem humanitären Zugang. Während Familien fliehen, brechen Lebensgrundlagen weg, Märkte kollabieren und die Grundversorgung bricht immer weiter zusammen. Eine Hungersnot wurde bereits in Al Fashir und Kadugli bestätigt; in Um Baru und Kernoi wächst das Risiko einer weiteren Ausbreitung.

Mangelernährung unter Kindern hat ein erschreckendes Ausmaß erreicht: 2026 drohen rund 4,2 Millionen Kinder im Sudan an akuter Mangelernährung zu leiden – darunter mehr als 825.000 Kinder mit schwerer akuter Mangelernährung, die ohne Behandlung lebensbedrohlich ist.

Der Krieg hat zudem schwere Auswirkungen auf die Bildung von Kindern. Mehr als ein Drittel der Schulen im Sudan ist geschlossen, weitere elf Prozent werden als Notunterkünfte oder laut Berichten von Konfliktparteien genutzt – fast die Hälfte aller Schulen steht somit nicht für den Unterricht zur Verfügung. Mindestens acht Millionen Kinder im Sudan gehen nicht zur Schule.

Trotz Unsicherheit und eingeschränktem Zugang leistet UNICEF weiterhin lebensrettende Hilfe – in den Bereichen Gesundheit, Ernährung, Wasser, Kinderschutz und Bildung. Doch dieser Einsatz gerät zunehmend unter Druck.

In diesem Jahr benötigt UNICEF 962,9 Millionen US-Dollar, um 7,9 Millionen Kinder mit lebensrettender Hilfe zu erreichen. Derzeit sind lediglich 16 Prozent dieses Bedarfs gedeckt.

„Der Schutz von Kindern erfordert, dass alle Konfliktparteien schwere Verletzungen der Kinderrechte sofort beenden und das Völkerrecht einhalten – einschließlich eines sicheren, schnellen und ungehinderten humanitären Zugangs im gesamten Land", sagte Russell. „Wir danken allen, die unsere lebensrettende Arbeit unterstützen. Doch der humanitäre Bedarf übersteigt die verfügbaren Mittel nach wie vor bei weitem – wir appellieren dringend an die internationale Gemeinschaft, ihre Unterstützung zu verstärken. Wir dürfen das Leid der Kinder im Sudan nicht ignorieren."

Service für die Redaktionen

Für Interviews steht unser Geschäftsführer Christian Schneider sowie das UNICEF-Team im Sudan gerne zur Verfügung.

Aktuelle Bild- und Videomaterialien stehen hier und hier zur Verfügung.

Stimmen aus Al-Fashir finden Sie u.a. in unserem Blog.

Weitere Informationen finden Sie hier.

*Zu den schweren Kinderrechtsverletzungen gehören: Tötung und Verstümmelung; Entführung; Rekrutierung und Einsatz von Kindern; Vergewaltigung und andere Formen sexualisierter Gewalt; Angriffe auf Schulen und Krankenhäuser sowie die Verweigerung humanitären Zugangs.

Pressekontakt: 
UNICEF Deutschland, Christine Kahmann, Sprecherin, 0221/93650-315 oder 0159 04139723,  presse@unicef.de

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