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28.08.2006 – 07:54

Statistisches Bundesamt

Tarifabschlüsse im 1. Halbjahr 2006 weiterhin moderat

    Wiesbaden (ots)

Im ersten Halbjahr 2006 bewegten sich die Erhöhungen der Tarifverdienste nach Angaben des Statistischen Bundesamtes zwischen 0,5% und 3,4%. Gemessen an dem Anstieg der Verbraucherpreise um rund 2% in demselben Zeitraum, handelt es sich um einen moderaten Anstieg der Tarifverdienste. Berücksichtigt wurden sowohl Neuabschlüsse von ausgewählten Tarifverträgen als auch im ersten Halbjahr 2006 wirksam gewordene Tarifstufen, die in bereits bestehenden Tarifverträgen vereinbart wurden.

    Da die abgeschlossenen Tarifverträge nur in wenigen Fällen für das gesamte Bundesgebiet gelten, sind die Tarifabschlüsse innerhalb eines Wirtschaftsbereichs oftmals regional uneinheitlich. Den höchsten Anstieg der Tarifverdienste gab es mit + 3,4% im Bereich Energieversorgung in Baden-Württemberg, gefolgt von den Wirtschaftsbereichen Gewinnung von Steinen und Erden in Hessen (+ 3,3%), Metallgewerbe (+ 3,0%) sowie Holzgewerbe in den neuen Ländern und Berlin-Ost (+ 2,7%). Geringe Tariferhöhungen gab es in den Bereichen Großhandel in Rheinland-Rheinhessen (+ 0,5%), Verlagsgewerbe in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen (+ 0,6%), Keramikgewerbe im früheren Bundesgebiet (+ 0,8%) sowie im Grundstücks- und Wohnungswesen (+ 0,9%). Einen faktischen Rückgang verzeichneten die Tariflöhne im Baugewerbe im gesamten Bundesgebiet: Bedingt durch eine Arbeitszeitverlängerung zu Beginn des Jahres, kam es zu einem Rückgang der Stundenlöhne um 2,5%, der auch durch einen späteren Anstieg der Tariflöhne um 1,0% nicht kompensiert werden konnte.

    Die Höhe des Tarifabschlusses hat indes keinen direkten Einfluss auf die Laufzeit der Tarifverträge. Während sich die Tarifparteien im Metallgewerbe (+ 3,0%) auf eine Vertragslaufzeit von zehn Monaten verständigt haben, sind einige Tarifverträge im Papiergewerbe (+ 1,5%) für 24 Monate gültig. Allein der Tarifvertrag im Bereich Energieversorgung in Baden-Württemberg weist neben dem höchsten Anstieg der Tarifverdienste (+ 3,4%) auch mit die höchste Laufzeit (24 Monate) aus. Als Laufzeit wird der Zeitraum angesehen, für den Tariferhöhungen vereinbart wurden.

    Zur Überbrückung der „tarifvertragslosen“ Zeit, das heißt für den Zeitraum zwischen Ablauf des alten Tarifvertrages und Inkrafttreten der vereinbarten Tariferhöhung, werden zunehmend Einmalzahlungen vereinbart. Diese Pauschalzahlungen kommen in der Regel den derzeit Beschäftigten zugute und bleiben bei der prozentualen Anhebung der Tarifverdienste unberücksichtigt. Bei den in der Auswahl berücksichtigten Tarifverträgen gab es für das erste Halbjahr 2006 rund 100 Neuabschlüsse. Bei 57 Tarifverträgen wurden Einmalzahlungen vereinbart. Die Höhe der Einmalzahlungen schwankte dabei zwischen 310 Euro für drei Monate im Metallgewerbe und 105 Euro für sieben Monate im Berliner Baugewerbe.

    Detaillierte Angaben zu diesen und weiteren Tarifverträgen, zum Beispiel zur Verdiensthöhe, zur Arbeitszeit und zu den vermögenswirksamen Leistungen, bietet die Fachserie 16 Reihe 4.1 (Tariflöhne) und 4.2 (Tarifgehälter), 1. Halbjahr 2006, die ab sofort im Statistik-Shop unter www.destatis.de/shop als kostenfreier Download zur Verfügung steht.

    Die Ergebnisse der Tarifverdienststatistiken basieren auf Auswertungen ausgewählter Tarifverträge der Wirtschaftsbereiche Produzierendes Gewerbe, Handel, Kredit- und Versicherungsgewerbe, Verkehr und Nachrichtenübermittlung sowie der Gebietskörperschaften.


          Höchste Verdienstzuwächse in ausgewählten Tarifverträgen
                                            und deren Laufzeit 1)
                                                1. Halbjahr 2006


                                                Höchste                    Laufzeit des
Wirtschaftsbereich                  Tarif-                        jeweiligen
                                            erhöhungen                  Tarifvertrages
                                                  in %                         in Monaten


Energieversorgung
(Baden-Württemberg)                  + 3,4                                24
Gewinnung von Steinen
und Erden (Hessen)                    + 3,3                                10
Metallgewerbe                              + 3,0                                10
Holzgewerbe
(neue Länder, Berlin-Ost)         + 2,7                                 –
Kunststoffgewerbe
(Nordrhein-Westfalen,
  Rheinland-Pfalz,
    Niedersachsen)                        + 2,5                                12
Ernährungsgewerbe
(Nordrhein-Westfalen)                + 2,4                                 –
Kraftfahrzeuggewerbe
(Nordrhein-Westfalen)                + 2,2                                12

    1) Nur bei Neuabschlüssen.


          Geringste Verdienstzuwächse in ausgewählten Tarifverträgen
                                          und deren Laufzeit 1)
                                              1. Halbjahr 2006


                                              Geringste                  Laufzeit des
Wirtschaftsbereich                  Tarif-                        jeweiligen
                                            erhöhungen                  Tarifvertrages
                                                  in %                         in Monaten


Großhandel 2)
(Rheinland-Rheinhessen)            + 0,5                                 –
Verlagsgewerbe
(Sachsen, Sachsen-Anhalt,
  Thüringen)                                + 0,6                                 –
Keramikgewerbe
(früheres Bundesgebiet)            + 0,8                                12
Grundstücks- und
Wohnungswesen (Deutschland)      + 0,9                                18
Druckgewerbe
(früheres Bundesgebiet)            + 1,0                                12
Baugewerbe 3)                              + 1,0                                12
Betonsteingewerbe
(Nordrhein-Westfalen)                + 1,2                                 –
Ledergewerbe
(früheres Bundesgebiet)            + 1,2                                10

    1) Nur bei Neuabschlüssen. 2) Zuzüglich einer monatlichen Zulage von 15 Euro. 3) Zuvor Rückgang um 2,5% aufgrund von Arbeitszeitverlängerung.

Weitere Auskünfte gibt: Jörg Decker, Telefon: (0611) 75-2442, E-Mail: joerg.decker@destatis.de

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