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Rheinische Post: "Leitkultur" der Vorurteile

    Düsseldorf (ots) - Von Margarete van Ackeren

    Die Muster gleichen sich auf verräterische Weise. Mit Fassungslosigkeit und Empörung reagiert die deutsche Öffentlichkeit auf die Schreckensnachricht - und ohne jede Denkpause werden grundlegende Vorschläge, wie man solche Fälle in Zukunft verhindern könnte, in die Welt posaunt. So war es schon beim so genannten Ehrenmord-Urteil von Neukölln, und so ist es auch jetzt wieder bei dem mutmaßlich rassistischen Überfall auf einen Deutsch-Äthiopier in Potsdam. Doch die Zeit der Betroffenheit ist in der Regel keine gute Phase für eine kühle Analyse, und genau die steht jetzt an. Fast scheint es, als gebe es hierzulande eine "Leitkultur der Vorurteile". Wer nämlich so tut, als sei Deutschland als Ganzes eine Hochburg fremdenfeindlicher Gefühle oder wer viele Türken in Deutschland unvermittelt mit dem Thema "Ehrenmord" in Verbindung bringt, der stärkt genau das, was zu bekämpfen ist: ein dümmliches Schema, das nur zwischen "Wir hier" und "Ihr dort" unterscheidet. Und wer bei beiden Themen dann auch noch pauschal über den Osten klagt, der richtet im Geiste Stein für Stein die Mauer wieder auf. Es ist schon eine besondere Ironie, dass sich die Debatte über "Integration in Deutschland" überwiegend um Gedanken rankt, die eine Menge mit Ausgrenzung zu tun haben.

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