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Rheinische Post: Kommentar
Entzauberter Gigant = Von Matthias Beermann

Düsseldorf (ots) - Brasilien, da waren sich viele Leute noch vor nicht allzulanger Zeit todsicher, gehöre die Zukunft. Die siebtgrößte Volkswirtschaft der Welt, ein Land von beinahe kontinentaler Größe mit mehr als 200 Millionen Einwohnern, schien unaufhaltsam auf dem Weg nach oben. Ein kraftstrotzender Gigant, dem man ohne Zögern zutraute, kurz hintereinander Fußball-WM und Olympische Spiele zu stemmen. Die Sport-Spektakel scheinen jetzt freilich wie aus der Zeit gefallen: Brasilien steckt in einer schweren Wirtschaftskrise. Schlimmer noch: Das Riesenland ist faktisch unregierbar geworden.

Ausgerechnet die Arbeiterpartei, die für mehr soziale Gerechtigkeit sorgen wollte, versinkt in einem Sumpf aus Korruption und Schlendrian. In mehr als einem Jahrzehnt an der Macht haben sich die Regierenden ausgeruht auf einem Exportboom, der fast ausschließlich von Rohstoffen und Agrarprodukten befeuert wurde. Das allein aber reicht nicht aus, um in einer globalisierten Welt zu den ganz Großen zu gehören. Das Schwellenland Brasilien muss die bittere Erfahrung machen, wie hoch die Schwelle ist.

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