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Wulffs Freispruch ist nicht nur Schlusspunkt = Von Gregor Mayntz

Düsseldorf (ots) - Christian Wulff hat erreicht, was er wollte: Freispruch erster Klasse. Er kann sich bestätigt fühlen, rechtlich korrekt gehandelt zu haben. So formulierte er es bei seinem Rücktritt. Das diente seinerzeit auch der Charakterisierung seines Amtsverzichtes als politisch statt persönlich motiviert. Andernfalls hätte er den Ehrensold von gut 200 000 Euro verlieren können Ein Schuldspruch hätte erneut Rufe nach Kürzung oder Streichung provoziert. Bei allem Bedauern, dass Wulff zwar den Prozess gewonnen, seinen Ruf, sein Amt und seine Familie aber verloren habe, kann er den Ehrensold auch als eine Art dauerhafte Wiedergutmachung des Steuerzahlers verstehen. Ob die Zeit auch die Wunden heilt, die durch zweifellos aufgetretene, rufmordähnliche Exzesse geschlagen wurden, hängt nicht allein davon ab, welche Richtung die gesellschaftliche Debatte über den Fall Wulff nun nimmt. Sondern auch von Wulff selbst. Seine Behauptung, immer aufrichtig gewesen zu sein, war wiederholt leicht zu widerlegen und gehörte zu Wulffs selbstverschuldetem Anteil am Verlauf der Affäre. Der Freispruch ist insofern nicht nur Schlusspunkt - sondern auch Auftakt für einen neuen Versuch zwischen Wulff und seinen Kritikern.

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