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Weser-Kurier: Der "Weser-Kurier" (Bremen) kommentiert in seiner Ausgabe vom 14. Februar zur Sterbehilfe in Belgien

Bremen (ots) - Es ist ein Tabubruch: Als erstes Land weltweit erlaubt Belgien die aktive Sterbehilfe für Minderjährige - ohne Altersgrenze. Auch die Bevölkerung steht dahinter. Voraussetzung bei Minderjährigen ist eine unheilbare Krankheit. Ein Psychologe muss bezeugen, dass der Minderjährige urteilsfähig und in der Lage ist, die Entscheidung zum Sterben zu fassen. Damit sind psychisch kranke Kinder und todkranke Babys ausgenommen. Dennoch ist das Gesetz unausgegoren. Wer will schon objektiv beurteilen, ob ein Kind wirklich reif genug ist, seinen Tod zu wünschen? Ungeklärt ist auch, was passiert, wenn nicht beide Elternteile der Sterbehilfe zustimmen. Kritiker und Patientenschützer warnen zu recht vor einem Dammbruch. Die Zahlen belegen dies bei der aktiven Sterbehilfe für Erwachsene: 2002 wurde diese in Belgien legalisiert; seither stiegen die Fallzahlen von 235 im Jahr 2003 auf 1432 im vergangenen Jahr. Der schnelle Tod per Giftspritze ist der falsche Weg. Stattdessen muss eine bessere Palliativmedizin das Ziel sein. Geld dafür auszugeben, ist die moralische Pflicht einer Gesellschaft, die sich solidarisch nennt. Eine langjährige Krankenschwester sagte gestern, sie habe noch nie erlebt, dass ein Kind nicht mehr leben wollte. Um diesen Lebenswillen gilt es zu kämpfen - dass er auch im todkranken Stadium erhalten bleibt.

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