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Börsen-Zeitung: Mal ist man Baum, Kommentar zu VW von Peter Olsen

Frankfurt (ots) - Manche Drehbücher sind so oft in verschiedensten Versionen abgedreht worden, dass man sie eigentlich wegen des Déjà-vu-Erlebnisses in den Schredder stecken sollte. Klar, die gestrige Hauptversammlung konnte nur zu einem Scherbengericht für Vorstand und Aufsichtsrat werden. Oder um mit dem - derzeit meist auch in der Kritik stehenden - Fußball-Nationalspieler Mario Götze zu sprechen: "Mal ist man der Hund, mal der Baum."

Volkswagen und seine Verwaltung sind derzeit eindeutig Baum. Nicht schön, aber auszuhalten. Die versammlungstaktische Klaviatur sogenannter kritischer Aktionäre wurde auf dem Aktionärstreffen des Autobauers auf dem Messegelände in Hannover ausgereizt, bis hin zu zum Scheitern verurteilte Abwahlanträge bezüglich des Aufsichtsratsvorsitzenden Hans Dieter Pötsch als Versammlungsleiter.

Alles ist natürlich legal, aber ist es in der aktuellen Situation des Unternehmens, das mitten in den Schlussverhandlungen eines milliardenschweren Vergleichs steckt, auch legitim? Verwaltung und Aktionärssprecher rieben sich über viele Stunden in hinlänglich bekannten Themen auf. Dabei kam natürlich das Thema Zukunft und Zukunftsfähigkeit des zu den größten Autokonzernen weltweit zählenden Unternehmens zu kurz. Klar, mit den Prinzipien einer guten Unternehmensführung hat man es in Wolfsburg noch nie so richtig gehabt. Aber was bedeuten die von Vorstandschef Matthias Müller präsentierten Pläne im Rahmen der Strategie Together 2025 für Unternehmen und Anteilseigner?

Müller pusht den Wechsel des Konzerns zu vollelektrischen Pkw - von der Brückentechnologie Hybrid ist gar nicht mehr die Rede -, nennt dafür Investitionen von vielen Milliarden Euro als notwendig. Und niemanden interessiert es, was das für Ertragslage und damit auch für die künftige Dividende bedeutet?

Eine Weisheit der Dakota-Indianer besagt: "Wenn du entdeckst, dass du ein totes Pferd reitest, steig ab." Genau so geht Müller vor. Im VW-Konzern hat der Diesel, und das vom selbst verursachten Abgasskandal noch beschleunigt, den Zenit überschritten. Das sparsame Aggregat von Stickoxid-Emissionen zu befreien, wird mit weiteren Verschärfungen in den Abgasvorschriften in absehbarer Zeit so teuer, dass die derzeit noch preislich unattraktiven Elektroautos geradezu zwangsläufig zu einer Alternative werden. Aber muss man deshalb, wie Müller offenbar überlegt, in eine teure Eigenfertigung von Lithium-Ionen-Batterien gehen? Als Aktionär sollte man sich auch dazu mal Gedanken machen.

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