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Börsen-Zeitung: Mehr als Peanuts, Kommentar zu Bayer von Annette Becker

Frankfurt (ots)

Die Furcht im globalen Agrochemiegeschäft ins Hintertreffen zu geraten, muss bei Bayer enorm sein. Anders lässt sich nicht erklären, dass der Life-Science-Konzern seinen Hut für Monsanto, den weltgrößten Saatguthersteller, in den Ring wirft. Sicher, Bayer hat seit Jahren angekündigt, das Geschäft mit Saatgut und Pflanzeneigenschaften ausbauen zu wollen. Dass dazu auch auf Akquisitionen zurückgegriffen wird, kann niemanden überraschen.

Doch dass sich Bayer gleich an den (Noch-)Branchenprimus heranwagt, der obendrein in der Öffentlichkeit zweifelhaft beleumundet ist, war so nicht vorherzusehen. Das schätzen die Investoren wohl ähnlich ein, hat sich doch binnen sieben Tagen - vorige Woche machten Spekulationen über eine mögliche Übernahme erstmals die Runde - ein Marktwert von 10 Mrd. Euro verflüchtigt.

Zwar wird Bayer nicht müde zu betonen, dass sinnvolle, sprich wertsteigernde Akquisitionen nicht an der Finanzierung scheitern, doch fürchten die Bayer-Aktionäre wohl nicht ganz zu Unrecht, im Wege einer Kapitalerhöhung auch zur Kasse gebeten zu werden. Zumal die Leverkusener die Verschuldungskapazitäten mit dem Erwerb des Geschäfts mit rezeptfreien Medikament von Merck & Co. schon arg strapaziert haben.

Natürlich wird sich Bayer nolens volens nun möglichst rasch von der noch verbliebenen Beteiligung an Covestro trennen. Ein Notverkauf dürfte sich aber zwangsläufig auch im Verkaufserlös negativ bemerkbar machen. Einen Vorgeschmack darauf gab es bereits gestern. Das gleiche gilt für die Tiermedizin, die der neue Bayer-Chef Werner Baumann erst kürzlich zur Disposition stellte. Bis zu 7 Mrd. Euro könnte Bayer dafür erhalten, rechnen Analysten vor.

Das sind zwar weit mehr als Peanuts, doch angesichts der Kaufpreise die für Monsanto herumgereicht werden - sie rangieren zwischen 49 und 65 Mrd. Euro -, müssen noch andere Geldtöpfe aufgetan werden. Darüber hinaus stehen heute schon 15,8 Mrd. Euro an Goodwill in der Bilanz, immerhin gut 20% der Bilanzsumme. Potenzial für Impairments ist damit gegeben, zumal Bayer erst kürzlich einräumen musste, das Synergiepotenzial aus der Merck-Transaktion nicht im erwarteten Zeitrahmen heben zu können.

Strategisch mag der Erwerb sinnvoll sein, weil die Karten im Agrobusiness gerade neu gemischt werden. Abzuwarten, zu welchen Verkäufen die fusionierenden Wettbewerber kartellrechtlich gezwungen werden, wäre aber auch eine Handlungsalternative.

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