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Börsen-Zeitung: Flügel aus Wachs, Kommentar zu Samsung von Sebastian Schmid

Frankfurt (ots) - Als Ikarus der Sonne zu nah kommt, schmelzen seine Flügel, und er stürzt zur Erde. Die griechische Parabel trifft auf kaum einen Wirtschaftszweig mehr zu als auf das Mobiltelefongeschäft. Blackberry, Motorola, Nokia: Zahlreiche Marktakteure mussten erfahren, wie schnell abstürzt, wer sich zu lange im eigenen Erfolg sonnt. Samsung, die aktuelle Nummer 1, stürzt zwar noch nicht ab. Der Aufstieg scheint aber bereits gestoppt. Erstmals seit 2011 kündigt Samsung einen Rückgang beim Quartalsergebnis an. Die Erwartungen der Analysten werden damit klar verfehlt. Einiges spricht dafür, dass der koreanische Shootingstar vergangener Jahre seine besten Tage bereits hinter sich hat.

Lange konnte Samsung stets mit Hardwareverbesserungen den Handyabsatz ankurbeln. Ein größerer Bildschirm mit höherer Auflösung, ein schnellerer Prozessor oder eine höher auflösende Kamera: Eine kleine Veränderung der technischen Ausstattung genügte oft, um die Verkaufszahlen steigen zu lassen. Doch diese Zeiten dürften vorbei sein: Die Bildschirme lassen sich kaum noch vergrößern, sollen sie weiter in Jacken- und Hosentaschen passen. Die Auflösung kann zwar noch gesteigert werden - doch wozu, wenn der Anwender die einzelnen Pixel längst nicht mehr erkennen kann. Auch die Prozessorgeschwindigkeit wird zwar steigen. Bei den meisten Anwendungen dürfte dies aber lediglich Zeitgewinn im Millisekundenbereich bringen - kaum ein Grund, mehr Geld auszugeben.

Als Folge der schwindenden Hardwareunterschiede steigt der Preisdruck. Die Software - Googles Android-Betriebssystem - steht allen Herstellern zur Verfügung. Auch Billiganbieter aus China sind so schnell konkurrenzfähig geworden. Der zunehmend hitzig geführte Preiswettstreit dürfte Samsungs Ergebnis weiter drücken. Wurden die Koreaner Mitte 2013 noch als Gewinner im Wettstreit mit Apple gesehen, zeigt sich nun, dass sich die Kalifornier langfristig klar besser positioniert haben.

Mit der Software-Plattform iOS hat Apple ein Alleinstellungsmerkmal, das zudem bereits zweistellige Milliardenbeträge erlöst hat. Allein 2013 spielte der zugehörige App Store über 10 Mrd. Dollar ein. Davon durfte Apple 3 Mrd. Dollar als Umsatz verbuchen. Samsungs Versuche, sich von Android zu emanzipieren, haben derweil noch nicht gefruchtet. Während das Smartphone-Geschäft des iPhone-Anbieters auf einem soliden Fundament fußt, hat Samsung offenbar auf Wachs gebaut - und dieses schmilzt bekanntlich bei zu großer Hitze.

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