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Börsen-Zeitung: Trauerspiel, Kommentar von Jürgen Schaaf zur Diskussion um die Finanzhilfe für Griechenland

Frankfurt (ots) - Es ist ein Trauerspiel: Anleihekurse und die Wechselkurse spielen verrückt, und die europäische Politik schaut staunend zu. Die Unsicherheit, wie es mit Griechenland weitergeht, ist Gift für die Finanzmärkte. Dabei haben es die politischen Entscheidungsträger in der Hand, den Finanzmarktakteuren die Planungssicherheit zu geben. Dazu bedarf es der Transparenz und politischen Entscheidungswillens.

Zunächst gilt es den Tatsachen ins Auge zu sehen. Es steht um Griechenland weitaus schlimmer, als die heimische und internationale Politik zugibt. Das hellenische Schuldenmassiv wird in den kommenden Jahren auf mehr als 150% des Bruttoinlandsprodukts zunehmen. Trotz der geplanten Verringerung des Haushaltsdefizits bis 2013 wird ja die Gesamtverschuldung weiter steigen und nicht etwa sinken. Hinzu kommen recht blauäugige Wachstumsannahmen. Die Wettbewerbsfähigkeit des südosteuropäischen Landes ist derartig miserabel, dass in Verbindung mit den notwendigen drastischen Sparanstrengungen die Wirtschaft dramatisch schrumpfen wird - wobei doch das Land Überschüsse bräuchte, um seine Schulden abzubauen. Daran ist aber innerhalb von drei Jahren - das ist die Laufzeit des Rettungspakts - nicht zu denken. Ganz abgesehen davon drückt sich Athen bislang vor Aussagen, wie die Jahre 2 und 3 des Sparplans aussehen sollen. Wenn Griechenland nicht deutlich mehr Zeit zur Umkehr bekommt, - und damit auch mehr Finanzhilfen als die avisierten 45 Mrd. Euro der Euro-Länder und des Internationalen Währungsfonds - ist die Staatspleite unausweichlich. Die Szenarien, die derzeit von Währungspolitikern als "utopisch" oder "absurd" bezeichnet werden, manifestieren sich dann.

Kann gut sein, dass die deutschen und französischen Banken und die Eurozone den hellenischen Bankrott überstehen, wenn es eine geordnete Umschuldung griechischer Staatsanleihen gibt in Verbindung mit einem freiwilligen Austritt Athens aus der Währungsunion. Wahrscheinlich ist das aber nicht.

Unabhängig von der Alternative drängt die Zeit, eine Entscheidung zu fällen. Die politische Führung Europas hat es in der Hand, sich das Heft des Handelns von den Finanzmärkten zurückzuholen. Der Zickzackkurs insbesondere Berlins muss ein Ende haben.

(Börsen-Zeitung, 27.4.2010)

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