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Börsen-Zeitung: Doppeltes Drohpotenzial, Kommentar von Bernd Wittkowski zur Übernahme von Sal. Oppenheim durch die Deutsche Bank

Frankfurt (ots)

Es müssen fröhliche Verhandlungen sein, wenn
sich zwei Geschäftspartner gegenübersitzen, die über wechselseitiges 
Drohpotenzial verfügen. Dem Deal zwischen der Deutschen Bank und den 
Eigentümern von Sal. Oppenheim ist das anzumerken. Seit drei Monaten 
hat der Käufer in Luxemburg bei der Oppenheim-Holding und in Köln bei
der deutschen Privatbanktochter jeden Stein zehnmal umgedreht, 
trotzdem reicht es noch immer nur zu einem Rahmenvertrag.
Oppenheim ist in einer dramatischen Lage. Wenn eine Bank, die im 
August nach einer überlebensnotwendigen, von der Deutschen Bank 
vorfinanzierten Spritze von 300 Mill. Euro ein Eigenkapital von 2,1 
Mrd. Euro auswies, jetzt für 1Mrd. Euro, also zu einem 
Preis-Buchwert-Verhältnis deutlich unter 0,5, oder - anders gerechnet
- für 0,75% der Assets under Management über den Tisch geht, dann ist
damit über die Verfassung des Kaufobjekts fast alles gesagt. Ihr 
Halbjahresergebnis (geschweige denn Neunmonatszahlen) hat Europas 
größte, aber alles andere als stärkste Privatbankengruppe trotz 
wiederholter Ankündigung bis heute nicht veröffentlicht. Das wird 
Gründe haben. Wer anders als die Deutsche Bank hätte die mit dem 
Rücken zur Wand stehenden Oppenheimer, die bei ihr insgesamt schon 
mit 650 Mill. Euro im Obligo sind, aus dieser misslichen Situation 
retten können und wollen? Das spricht nicht wirklich für eine starke 
Verhandlungsposition.
Das Drohpotenzial auf der Oppenheim-Seite ist schnell erklärt: Die
Deutsche Bank ist größter Finanzier der Einlagensicherung. Da wäre es
keine allzu gute Perspektive gewesen, wenn die Kölner die Grätsche 
gemacht hätten. Wer zuerst schießt, wäre in diesem Fall zwar wohl 
nicht als Zweiter gestorben, hätte aber zumindest einen schweren 
Schlag abgekriegt.
Dementsprechend sieht der Zwischenstand aus. Zum einen übernimmt 
die Deutsche Bank Oppenheim ganz und hat damit das alleinige Sagen. 
Nur an der Kölner Tochter dürfen sich die Altgesellschafter 
beteiligen, müssten dafür aber bezahlen - welch eine Demütigung! Zum 
anderen kauft die Deutsche Aktivitäten mit, an denen sie nie 
interessiert war, und verhilft so den Oppenheim-Eignern zu einem 
Trostpflaster von 300 Mill. Euro. Angesichts des Sprungs ihrer 
Vermögensverwaltung in eine neue Dimension werden Josef Ackermann 
&Co. das verschmerzen können. Ihr Drohpotenzial war wohl ein wenig 
größer als das der Oppenheims.
(Börsen-Zeitung, 29.10.2009)

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